Minderung
Der Gesundheitssektor war in der Schweiz im Jahr 2019 für rund 6,7 %R des gesamten Treibhausgasfussabdrucks verantwortlich und liegt damit über dem Durchschnitt westlicher Länder.328, 329 Zudem weist er pro Kopf eine der weltweit höchsten Energie-Fussabdrücke auf.330 Eine Reduktion der Treibhausgasemissionen in diesem Sektor ist daher erforderlich, um die nationalen Klimaziele zu erreichen. Die grössten Emissionsquellen sind Medikamente und Medizinprodukte (über 30 % der Sektoremissionen) sowie Spital- und Spezialinfrastrukturen.331, 332 Mehrere Staaten, darunter das Vereinigte Königreich, haben Strategien zur Dekarbonisierung ihres Gesundheitssystems entwickelt; dort konnte der Treibhausgasausstoss über die letzten 20 Jahre kontinuierlich gesenkt werden.333, 334
Die Minderungsstrategien lassen sich in zwei Achsen gliedern. Zum einen geht es darum, bestehende Infrastrukturen durch neue Technologien zu dekarbonisieren, nachhaltige Beschaffungsrichtlinien einzuführen oder klinische Praktiken anzupassen (z. B. Verzicht auf besonders klimaschädliche Narkosegase wie Desfluran). Solche Ansätze zur Effizienzsteigerung gelten jedoch als unzureichend, um die Ziele des Übereinkommens von Paris zu erreichen.335 Erforderlich ist also zum anderen eine tiefgreifendere Umgestaltung des Gesundheitssystems, insbesondere durch die Stärkung von Prävention, Gesundheitsförderung und gemeindenahen Primärversorgungsangeboten.331, 336
Anpassung
Bei der Anpassung an die zunehmende Hitzebelastung steht kurzfristig die Sensibilisierung und Information im Vordergrund. Gesundheitsfachpersonen und Behörden benötigen Informationen über Risiken durch Hitze sowie über mögliche Anpassungsmassnahmen, um entsprechend reagieren zu können. Zur Stärkung der Hitzekompetenz der Bevölkerung können wirksame, aber wenig bekannte Massnahmen – etwa zu Ernährung, Kleidung, Medikamenten und sozialer Achtsamkeit – gezielt und verständlich an besonders gefährdete Gruppen wie ältere Menschen, bildungsbenachteiligte und finanziell belastete Personen vermittelt werden.337 Der Bund stellt dazu Informationsmaterial zur Verfügung (die drei goldenen Regeln für Hitzetage). Viele Kantone nutzen dieses oder verwenden eigene Materialien.338 Mittel- bis langfristig geht es darum, Siedlungen und Arbeitszonen so zu gestalten, dass sie auch bei zunehmender Sommerhitze eine angenehme Lebens- und Aufenthaltsqualität bieten.
Eine Stadtplanung, die auf mehr Grünflächen, bessere Fuss- und Velowege sowie eine nachhaltigere Bebauung setzt, kann z. B. zur Reduzierung von städtischen Wärmeinseln beitragen und dadurch die Lebensqualität erheblich verbessern.70
Hitzeschutzmassnahmen wie kantonale Hitzeaktionspläne tragen zur Minimierung der gesundheitlichen Folgen von Hitze bei.61 Handlungsbedarf besteht bei der Förderung des interkantonalen Austauschs und der Koordination, um die Ressourcen in den Kantonen effizienter zu nutzen und einander beim Monitoring und der Evaluation von Massnahmen zu unterstützen.338
Das Monitoring und die Bekämpfung vektorübertragener Krankheiten sollte weiter ausgebaut werden.339
Die Entwicklung von «Co-Benefit»-Konzepten für Gesundheit und Umwelt sowie eines widerstandsfähigeren Gesundheitssystems würde die Wirksamkeit von Anpassungsmassnahmen erhöhen und auch den Umgang mit neu auftretenden Krankheiten erleichtern.336, 340