Dieser Bericht bietet eine aktuelle Übersicht über die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel. Der Fokus liegt dabei auf dem spezifischen Wissen zur Schweiz. Beleuchtet werden der aktuelle Stand des Klimawandels, dessen Folgen sowie die erwarteten zukünftigen Entwicklungen, Risiken und möglichen Handlungsoptionen. Der Bericht und insbesondere die nachfolgende Zusammenfassung für Entscheidungstragende richten sich an Anwenderinnen und Anwender aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Bildung und Zivilgesellschaft. Rund 60 Forschende haben mit ihrer fachspezifischen Expertise als Autorinnen und Autoren bzw. Begutachtende zum «Brennpunkt Klima Schweiz» beigetragen.
Neben der wissenschaftlichen Review wurden ausgewählte Stakeholder eingeladen, Rückmeldungen zur Verständlichkeit und Nützlichkeit der Zusammenfassung zu geben. Diese Konsultation diente der Verbesserung der Aufbereitung und zielgruppengerechten Kommunikation der Inhalte und stellt keine inhaltliche Begutachtung dar.
Nach den verschiedenen Abschnitten bzw. Aussagen in dieser Zusammenfassung sind jeweils die dazugehörigen Kapitel im Bericht aufgeführt, wo weitere Informationen sowie die entsprechenden wissenschaftlichen Quellen zu finden sind. Die wichtigsten Quellen des Berichts sind für allgemeine Ausführungen die IPCC-AR6-Berichte sowie für Schweiz-spezifische Angaben zur Klimaentwicklung die Schweizer Klimaszenarien CH2025. Zu beachten ist, dass die IPCC-Berichte nur die Literatur bis ca. Anfang 2021 berücksichtigten und es seither auch neuere Literatur geben kann.
Die globale Erwärmung des Klimasystems ist wissenschaftlich eindeutig belegt [1.1.1]. Im Durchschnitt der Jahre 2015–2024 lag die globale Erdoberflächentemperatur rund 1,2 °C höher als in der vorindustriellen Referenzperiode 1850–1900 [1.1.1]. Verschiedene Regionen der Welt erwärmen sich unterschiedlich stark: In Europa beträgt der Anstieg etwa 2,2 °C [1.1.2], in der Schweiz sogar 2,8 °C für die gleiche Zeitspanne [1.1.3]. Damit erwärmt sich die Schweiz mehr als doppelt so stark wie der globale Durchschnitt [1.1.3]. Diese überdurchschnittliche Erwärmung ist vor allem durch die geografische Lage im kontinentalen Europa und den Rückgang der Schnee- und Eisbedeckung bedingt [1.1.3].
Auch die Hauptursache für die Erwärmung ist wissenschaftlich eindeutig belegt: Es ist die vom Menschen verursachte Erhöhung der Konzentration von Treibhausgasen, vor allem von CO2, gefolgt von Methan und Lachgas [1.1.1]. Hauptsächlich verantwortlich für den Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen sind die Nutzung fossiler Energieträger, Landnutzung und Landnutzungsänderungen sowie die Produktionsmuster in der Wirtschaft und das Konsumverhalten der Bevölkerung [1.1.1].
Weltweit sind die Treibhausgasemissionen seit etwa 1960 kontinuierlich angestiegen, wobei sich das Wachstumstempo in den letzten Jahren etwas verlangsamt hat [1.3.1]. Viele europäische Länder, darunter auch die Schweiz, haben ihre inländischen, produktionsbasierten Pro-Kopf-Emissionen zumindest teilweise reduzieren können [1.1.3]. Die Länder des globalen Nordens sind aber weiterhin für den Grossteil der seit Beginn der Industrialisierung kumulierten Emissionen verantwortlich [3.1.6].
Die offizielle Erfassung und Zuordnung der Emissionen zu den Ländern erfolgt gemäss dem sogenannten Territorialprinzip: gezählt werden jene Emissionen, die im jeweiligen Land ausgestossen werden. In der Schweiz stammt davon rund ein Drittel aus dem Verkehr, je gut ein Fünftel aus Industrie und den Gebäuden (Haushalte und Dienstleistungen) sowie ein Sechstel aus der Landwirtschaft [1.1.3 und Infobox 1]. Dabei sind jene Emissionen nicht berücksichtigt, die bei der Herstellung von importierten Gütern im Ausland entstehen. Diese sind für die Schweiz besonders relevant, da ein grosser Teil des Schweizer Konsums auf importierten Produkten basiert. Diese «konsumbasierten» Emissionen sind etwa doppelt so hoch wie die inländischen, «produktionsbasierten» Emissionen [1.1.3, Infobox 1 und Abb. 6].
Die Schweiz erlebt die Auswirkungen des Klimawandels bereits heute in vielfältiger Weise. Die Durchschnittstemperaturen steigen kontinuierlich und Extremereignisse wie Hitzewellen, Trockenperioden und Starkniederschläge haben seit Beginn des 20. Jahrhunderts deutlich zugenommen [1.2.3 A] [1.2.3 B]. In den letzten Jahren gab es bereits eine Reihe sehr heisser Sommer, die zu zahlreichen hitzebedingten Todesfällen geführt haben, von denen viele ohne Klimawandel nicht eingetroffen wären [1.2.3 G].
Starke Auswirkungen im Naturraum werden in den Alpen beobachtet: Gut sichtbar ist das Schmelzen der Gletscher, weniger auffällig ist das Auftauen des Permafrosts [1.2.3 E]. Beides destabilisiert den Untergrund und erhöht die Gefahr von Massenbewegungen wie Felsstürze und Murgänge [1.2.3 E]. Der Anstieg der Nullgradgrenze führt zu weniger Schneebedeckung und zu veränderten Bedingungen für Ökosysteme [1.2.3 E], [1.2.3 C]. Allgemein verschwinden in Fauna und Flora kälteliebende Arten und wärmeliebende Arten nehmen zu [1.2.3 C]. Besonders betroffen sind Wälder, sowohl durch Trockenheit als auch durch die Ausbreitung von Schädlingen [1.2.3 D], sowie Nutzpflanzen und -tiere [1.2.3 F].
Die Gesellschaft ist zum einen direkt von der Erwärmung betroffen, primär durch Beeinträchtigungen der körperlichen und mentalen Gesundheit [1.2.3 G]. Insbesondere in Städten, wo der Wärmeinseleffekt die Folgen der Erwärmung verstärkt, sind die gesundheitlichen Auswirkungen gross [1.2.3 H]. Zum anderen ist die Bevölkerung auch indirekt durch die in Intensität und Häufigkeit zunehmenden Naturgefahren und Extremereignisse und deren wirtschaftliche Folgen betroffen [1.2.3 I].
Auch die Wirtschaft ist bereits heute in vielfältiger Weise tangiert. So leidet der Wintertourismus unter abnehmender Schneesicherheit und wachsenden Naturgefahren [1.2.3 I]. In der Landwirtschaft verlängert sich die Vegetationsperiode, was neue Kulturen und teilweise höhere Ernten ermöglicht [1.2.3 F]. Gleichzeitig nimmt der Bewässerungsbedarf zu und Wetterextreme wie Starkniederschläge und Trockenheit führen häufiger zu Ernteausfällen [1.2.3 F]. Wetterextreme stellen auch die Finanz- und Versicherungsbranche vor Herausforderungen, da die Schadenskosten steigen [1.2.3 I], [2.3.2 I]. Im Weiteren sind globale Lieferketten, auf welche die Schweizer Wirtschaft und viele Unternehmen besonders angewiesen sind, von klimabedingten Folgen betroffen [1.2.3 I].
Die künftige Erwärmung hängt stark vom Ausmass der Emissionsreduktionen ab [2.2.1]. Selbst wenn die Unterzeichnerstaaten des Übereinkommens von Paris ihre derzeit angekündigten Emissionsreduktionsziele (engl. «Nationally Determined Contributions», NDCs) erreichen, wird die globale Erwärmung voraussichtlich schon um 2030 die Grenze von +1,5 °C überschreiten [2.2.1]. Modelle zeigen, dass die Umsetzung der bisher von den Ländern angekündigten nationalen Beiträge ohne zusätzliche Massnahmen bis 2100 zu einer globalen Erwärmung von etwa 2,6 °C führt [2.2.1]. Werden die aktuell geplanten Massnahmen hingegen ungenügend umgesetzt und die Treibhausgasemissionen nehmen weiter zu, würde der Anstieg 3 bis 4 °C betragen [2.2.1]. Besonders kritisch für das globale Klima sind die sogenannten Kipppunkte: Werden bestimmte Schwellenwerte der globalen Erwärmung überschritten, treten abrupte oder nicht mehr umkehrbare Veränderungen im Klimasystem auf [2.1.2]. Dazu gehört etwa das Abschmelzen der Grönland- und Westantarktis-Eisschilde, das den Meeresspiegel global stark ansteigen lassen würde [2.1.2]. Die kritischen Schwellenwerte sind je nach Prozess unterschiedlich hoch und nur in groben Zügen bekannt [2.1.2]. Solche Prozesse können die Schweiz auch indirekt über globale Handelsverflechtungen beeinflussen [2.3.2 A]. In der Schweiz wird weiterhin eine deutlich stärkere Erwärmung erwartet als im globalen Mittel, wenn auch etwas weniger ausgeprägt als in den letzten Jahrzehnten [2.2.2].
Die Entwicklung der zukünftigen Folgen der Erwärmung in der Schweiz geht grundsätzlich in der gleichen Richtung weiter wie die bereits beobachteten Folgen [2.2.2]. In ihrer Häufigkeit und Intensität werden sie sich weiter verschärfen [2.2.2]. Insbesondere bei den Extremen ist diese Verschärfung teilweise überproportional: Extreme Tageshöchsttemperaturen, die früher nur einmal in 50 Jahren auftraten, treten beispielsweise bei einer globalen Erwärmung von +1,5 °C etwa 2,5-mal, bei plus 3 °C hingegen etwa 17-mal häufiger auf [2.3.2 A]. Die gesundheitlichen Folgen sind vor allem in Städten und Agglomerationen beträchtlich und haben, z. B. durch sinkende Arbeitsproduktivität bei Hitze, auch Auswirkungen auf die Wirtschaft [2.3.2 A]. Weiterhin zu den relevantesten Risiken für die Schweiz gehören auch die zunehmende Wahrscheinlichkeit von Naturgefahren, die Veränderung von Lebensräumen und Artenzusammensetzungen sowie klimawandelbedingte Unterbrechungen von internationalen Lieferketten [2.3.2 A]. Es ist davon auszugehen, dass die gesamtwirtschaftlichen Kosten eines ungebremsten Klimawandels global deutlich höher ausfallen als die Kosten einer wirksamen Eindämmung [2.3.2 I].
Mit zunehmender Erwärmung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Grenzen der Anpassung erreicht werden – etwa, wenn Schutzinfrastrukturen unverhältnismässig teuer oder technisch unzureichend werden [3.2.2 A]. In der Schweiz könnte es immer häufiger Situationen geben, in denen Kosten-Nutzen-Abwägungen dazu führen, einzelne Infrastrukturen oder Nutzungen in hochgefährdeten Gebieten aufzugeben, statt sie um jeden Preis zu schützen [3.2.2 A].
Mit dem Übereinkommen von Paris von 2015 haben sich die Staaten auf das Ziel verständigt, die Erwärmung auf deutlich unter 2 °C zu begrenzen und sie möglichst auf 1,5 °C zu halten [1.3.1]. Die Internationale Zusammenarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil einer kohärenten Schweizer Klimapolitik [Infobox 2]. Die Instrumente des Übereinkommens von Paris – etwa Klimafinanzierung, Technologietransfer, Aufbau von Fachwissen und institutionelle Kapazitäten sowie internationale Marktmechanismen wie der Emissionshandel – haben weltweit zu verstärkten Massnahmen beigetragen [3.1.3]. Dennoch bleiben die kollektiven Anstrengungen deutlich hinter dem für die Einhaltung der Pariser Klimaziele notwendigen Umfang zurück [3.2.1].
Mit der langfristigen Klimastrategie der Schweiz, dem CO2-Gesetz und dem Klima- und Innovationsgesetz hat die Schweiz sich zum Netto-Null-Ziel bekannt und entsprechende Massnahmen und Ziele zur Emissionsreduktion ergriffen [Kap. 1, Infobox 2]. Die Schweiz verfügt heute über zahlreiche Optionen für eine rasche Dekarbonisierung, insbesondere in den Bereichen Verkehr und Wärmeerzeugung [3.1.1], [3.2.1]. Die bisherige, aber auch die zukünftige Entwicklung dieser Optionen ist wesentlich von der Klima- und Energiepolitik abhängig, etwa Effizienzstandards, Förderung erneuerbarer Energien und Lenkungsabgaben [3.1.1].
Die strategischen und gesetzlich verankerten Ziele der Schweiz bewegen sich zwar in einem Rahmen, der vereinbar ist mit den Zielen des Übereinkommens von Paris [3.2.2 A]. Die bis jetzt beschlossenen Massnahmen sind jedoch unzureichend, um diese Ziele zu erreichen [3.2.2 A]. Darüber hinaus fehlt es sowohl an Zielen als auch an Massnahmen, um die importbasierten Emissionen sowie Emissionen, die im Zusammenhang mit den Schweizer Finanzflüssen stehen, zu senken [3.2.2 A]. Ein Teil der geplanten Zielerreichung beruht ausserdem auf dem Zukauf ausländischer Emissionsgutschriften [3.1.3]. Dieser Ansatz kann kurzfristig kostengünstiger sein, hat aber mittel- und langfristig nur begrenzten Nutzen: Einerseits wird die Effektivität der damit erzielten Emissionsreduktionen generell in Frage gestellt, anderseits wird dadurch der notwendige Reduktionsfortschritt im Inland potenziell verzögert und die verbleibenden Emissionen müssen im Inland dann sehr rasch reduziert werden [3.2.2 A], [2.3.2 I].
Neben den Massnahmen zur Minderung der Schweizer Treibhausgasemissionen wurden bereits Massnahmen ergriffen, um sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen [3.2.2 A]. Der Aktionsplan 2020–2025, der auf der Schweizer Anpassungsstrategie von 2012 aufbaut, enthält sektorübergreifende Massnahmen zu Wissensaufbau, Koordination und Strategieumsetzung sowie sektorspezifische Massnahmen in Bereichen wie der Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Gesundheit [3.2.2 A]. Viele Kantone haben bereits Hitzeaktionspläne erarbeitet, in der Stadtplanung werden teilweise bereits Hitzeschutzmassnahmen umgesetzt [1.4.3]; [3.2.2 G] und der Schutz vor Naturgefahren wird weiter ausgebaut [1.4.3]; [3.2.2 B]. Einige dieser Massnahmen zeigen bereits heute Wirkung: So hat sich die Bevölkerung beispielsweise bereits teilweise an höhere Temperaturen angepasst beziehungsweise ist die Beeinträchtigung durch moderate Hitze etwas gesunken [1.4.3]. Mit dem weiteren Temperaturanstieg dürften die notwendigen Investitionen in Anpassungsmassnahmen auf allen föderalen Ebenen noch deutlich ansteigen und könnten teilweise an Grenzen der Machbarkeit stossen sowie Kosten-Nutzen-Überlegungen erfordern [3.2.2 A].
Der Klimawandel wirft grundlegende globale Gerechtigkeitsfragen auf [3.1.6]:
Im Übereinkommen von Paris ist deshalb der Grundsatz der «gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortlichkeiten» festgehalten. Für die Schweiz bedeutet dies: Als wohlhabendes Land mit hohem Pro-Kopf-Ausstoss und grosser technologischer und finanzieller Leistungsfähigkeit trägt sie eine besondere Verantwortung – sowohl für die rasche Reduktion der eigenen Emissionen als auch für die Unterstützung emissionsarmer Entwicklungspfade und eigenständiger Anpassung in ärmeren Ländern, sowie für Beiträge zu Entschädigungen bei Klimaschäden und -verlusten [3.1.6]. Die Frage, ob viele wohlhabende Staaten – darunter auch die Schweiz – ihre zugesagten finanziellen Beiträge zur Unterstützung des globalen Südens im vereinbarten Umfang geleistet haben, ist Gegenstand anhaltender Debatten [3.1.3].
Viele sektorale Massnahmen zur Eindämmung des Klimawandels haben einen erheblichen sozialen, wirtschaftlichen oder ökologischen Zusatznutzen (Co-Benefits) [3.1.1]. Beispielsweise können Massnahmen im Verkehrs- und Gebäudesektor nicht nur Emissionen senken, sondern auch Luftqualität, Gesundheit und Lebensqualität verbessern [3.2.2 G] [3.2.2 H]. Ausserdem können Massnahmen zum Schutz der Biodiversität wesentlich zu Klimaschutz und Anpassung beitragen [3.2.2 C] und ambitionierte Klimaschutzmassnahmen können auch wirtschaftliche Impulse auslösen und Innovationen fördern [2.3.2 I], [3.2.2 I]. Wo Zielkonflikte bestehen, können diese durch sorgfältige Planung, Steuerung und Regulierung reduziert werden [3.2.2 C]. Klimaschutzmassnahmen weisen mit den Zielen der nachhaltigen Entwicklung insgesamt mehr Synergien als Konflikte auf [3.1.5].
Eine deutliche und rasche Verlagerung der Investitionen hin zu Technologien und Infrastrukturen, die sowohl kohlenstoffarm als auch klimaresistent sind, kann die Verluste und Schäden für Menschen und Ökosysteme verringern [3.1.1]. Die Umsetzung solcher Innovationen bedarf einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz und braucht Zeit [3.1.1]. Wirksame Klimapolitik erfordert daher die Koordination über alle staatlichen Ebenen hinweg sowie den Einbezug von Zivilgesellschaft und Privatsektor [3.1.1]; [3.1.2]. Breit abgestützte Netzwerke und Partnerschaften zwischen Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft können den Klimaschutz beschleunigen und durch die Einbindung lokaler Perspektiven die Akzeptanz der Massnahmen erhöhen [3.1.1]; [3.1.2].
Der Finanzplatz Schweiz hat eine Schlüsselrolle für die Umsetzung von Massnahmen. Mit seinen grossen Kapitalmengen könnte er den Klimaschutz deutlich mehr unterstützen als bisher, wenn Investitionen konsequent auf Klimaziele ausgerichtet würden [3.2.2 I]. Bislang ist dies nur unzureichend der Fall [3.2.2 I]. Bei den Unternehmen besteht insbesondere in der Förderung der Kreislaufwirtschaft, das heisst einem ressourceneffizienten Umgang mit Materialien entlang der ganzen Lieferkette, ein erhebliches Potenzial [3.2.2 I]. Am erfolgversprechendsten sind dabei Branchenlösungen [3.2.2 I]. Grosse bisher unausgeschöpfte Potenziale liegen in den Bereichen Ernährung, Bauen und Wohnen, private Mobilität, Maschinenbau und chemische Industrie [3.2.2 I].
Neben dem privaten Finanzsektor spielen auch die öffentlichen Finanzen eine entscheidende Rolle. Eine zweckmässig gestaltete Finanz- und Steuerpolitik ist zentral, um Klimaziele zu erreichen und soziale Ausgleichsmechanismen sicherzustellen [3.2.2 I], [3.1.1]. Investitionen von Bund, Kantonen und Gemeinden in klimafreundliche Innovationen unc Infrastrukturen entfalten grosse Hebelwirkungen [3.1.1]. Die Abschaffung von Steuervergünstigungen für fossile Energieträger könnte ausserdem die Emissionen um einige Mio. Tonnen pro Jahr senken [3.2.2 I].
Eine zielgerichtete und verständliche Kommunikation ist zentral, um Klimapolitik gesellschaftlich zu verankern [3.1.8]. Wirksam sind klare, handlungsorientierte, zielgruppengerechte und wiederholte Botschaften, die abstrakte Informationen in konkrete nationale oder lokale Kontexte übersetzen [3.1.8]. Vertrauenswürdige Stimmen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft erhöhen die Akzeptanz [3.1.8]. Geschichten, Vergleiche und Visualisierungen helfen zudem, komplexe Zusammenhänge verständlich und greifbar zu machen [3.1.8].
Die Forschung zeigt, dass für die Minderung der Treibhausgasemissionen ein Mix aus sich ergänzenden politischen Instrumenten wirksamer ist als einzelne Massnahmen wie bestimmte Verbote oder Subventionen [3.1.2]. In der Schweiz kann eine Kombination aus
eine schnelle und effektive Transformation hin zu netto null Treibhausgasemissionen ermöglichen [3.1.2]. Entscheidend bei diesem Mix ist, dass die einzelnen Instrumente aufeinander abgestimmt sind, sich also ergänzen und verstärken.
Die Erreichung der Klimaziele kann durch die Kombination von Effizienz- und Suffizienzmassnahmen (siehe Glossar) sowie den Ersatz von fossilen Energien beschleunigt werden [3.2.1]; [3.2.2 A]. In der Schweiz besitzen insbesondere Mobilitätsentscheidungen (z. B. im Flugverkehr) sowie verantwortungsvolle und ressourcenschonende Ernährungsgewohnheiten ein grosses Minderungspotenzial [3.2.2 A].
Verhaltensänderungen der Bevölkerung sind daher zum Erreichen der Klimaziele ein wichtiger Pfeiler. Politische und betriebliche Massnahmen können durch entsprechende Ausgestaltung klimafreundliche Entscheidungen zur einfachsten Wahl machen. Beispiele sind [3.1.4], [3.2.2 F]:
Für wirksame Anpassungsmassnahmen ist eine Koordination über alle föderalen Ebenen hinweg sowie der Einbezug der Zivilgesellschaft und des Privatsektors erforderlich [3.2.2 A]. Um Anpassungsmassnahmen voranzutreiben, hat die Schweiz beispielsweise mit dem «Netzwerk Anpassung an den Klimawandel» einen dezentralen Koordinationsansatz etabliert [3.2.2 A]. Dieser verbindet staatliche Akteure auf verschiedenen föderalen Ebenen mit Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft. Programme des Bundes wie Adapt+ fördern ausserdem konkrete Anpassungsprojekte [3.2.2 A]. Diese Aktivitäten reichen aber für den Umgang mit den zu erwartenden Folgen des Klimawandels möglicherweise nicht aus [3.2.2 A]. Anpassungsmassnahmen – etwa die Anpassung von Bauvorschriften, der Ausbau natürlicher und technischer Schutzmassnahmen oder die klimagerechte Gestaltung von Gesundheits- und Sozialsystemen – sind dann besonders wirksam, wenn sie langfristig ausgerichtet sind und soziale Ungleichheiten sowie verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigen [3.2.1], [3.1.4].
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen: Die Schweiz hat zwar mit Zielsetzungen, Gesetzen und verschiedenen weiteren Massnahmen wichtige Grundlagen für eine wirksame Klimapolitik gelegt, doch die bisherigen Anstrengungen reichen nicht aus, um die nationalen Klimaziele zu erreichen [3.2.2 A]. Gleichzeitig steigen die klimabedingten Risiken weiter an [2.3.2], und zentrale Bereiche wie die Dekarbonisierung von Verkehr und Wärmeerzeugung [3.2.2 H], die nachhaltige Gestaltung der Landwirtschaft und des Ernährungssystems [3.2.2 F] sowie die Ausrichtung der Finanzflüsse [3.2.2 I] am Klimaziel sind weiterhin unzureichend adressiert.
Um den Klimaschutz zu beschleunigen, braucht es eine entschlossene und sozial ausgewogene Transformation. Zentrale Hebel sind die Umlenkung öffentlicher und privater Investitionen in klimafreundliche, resiliente Infrastrukturen, der Abbau von Subventionen für fossile Energieträger sowie ein gut abgestimmter Mix aus Regulierung und Förderung sowie marktbasierter Lenkung durch CO2-Bepreisung [3.1.2]; [3.2.2 I]. Kreislaufwirtschaft [3.2.2 I], Suffizienzstrategien und verhaltenslenkende Instrumente [3.1.4] sind weitere Hebel, um Emissionen strukturell und dauerhaft zu senken. Dabei entstehen viele Win-Win-Situationen und wichtige Zusatznutzen (Co-Benefits), darunter bessere Luftqualität, gesundheitliche Vorteile oder neue wirtschaftliche Chancen durch innovative Technologien [3.1.5]; [3.2.2 G] [3.2.2 H].
Als wohlhabendes Land mit hohem Pro-Kopf-Ausstoss trägt die Schweiz zudem eine besondere internationale Verantwortung [3.1.6]. Vor diesem Hintergrund gewinnen aus einer Gerechtigkeitsperspektive neben den inländischen Emissionsreduktionen auch internationale Beiträge an Bedeutung, etwa in Form von Klimafinanzierung und Unterstützung von Anpassungsmassnahmen im globalen Süden [3.1.6].
Zentrale, sektorübergreifende Handlungsoptionen lassen sich in vier miteinander verknüpfte Pfeiler fassen:
Diese Elemente bedingen einander: Fehlende oder zu langsame Emissionsminderung erhöht den Bedarf an Negativemissionen und macht Klimaschutz und Anpassung teurer; Negativemissionen können höchstens einen kleinen Teil der notwendigen Minderung kompensieren; und mangelnde internationale Solidarität schwächt die globale Handlungsfähigkeit. Umgekehrt kann eine kohärente, vorausschauende Klimapolitik der Schweiz dazu beitragen, Risiken zu begrenzen und gleichzeitig die Chancen bezüglich einer nachhaltigen Entwicklung zu nutzen – national wie global.
Der Klimawandel wirkt sich auf verschiedene Sektoren sehr unterschiedlich aus. Im Folgenden wird deshalb sektorspezifisch in einer Tabelle zusammengefasst, welche Auswirkungen des Klimawandels bereits beobachtet wurden, wie sich die Sektoren zukünftig entwickeln könnten und welche Handlungsoptionen zur Minderung des Klimawandels oder zur Anpassung an dessen Auswirkungen zur Verfügung stehen. Ausserdem wird aufgezeigt, welche anderen Sektoren mit dem jeweils diskutierten Sektor zusammenhängen. Die beschriebenen Handlungsoptionen sind Mechanismen und Wege, die teilweise schon angewendet werden, teilweise noch verbessert werden könnten und teilweise neu angegangen werden könnten. Die Tabelle enthält einige wichtige, wissenschaftlich gut untersuchten Punkte, stellt jedoch keine vollständige Übersicht dar. Eine ausführlichere Diskussion der jeweiligen Aspekte findet sich im Grundlagenbericht «Brennpunkt Klima Schweiz».