Zukünftiger Klimawandel und Risiken

Kapitel 2 / Dieses Kapitel erläutert zentrale Konzepte der Beschreibung des Klimawandels und zeigt mögliche künftige Entwicklungen, Folgen und Risiken des fortschreitenden Klimawandels – global, in Europa und in der Schweiz.

2.1 Allgemeine Grundsätze

Das ab Anfang 2025 verbleibende globale CO2-Budget beträgt noch 130 Gt CO2, um mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % das im Übereinkommen von Paris angestrebte globale Erwärmungslimit von 1,5 °C nicht zu überschreiten. Ab einer globalen Erwärmung von 1,5 °C nimmt das Risiko, Kipppunkte in natürlichen Systemen zu erreichen, stark zu. Laut aktuellen Einschätzungen werden wir dieses Budget in den nächsten fünf Jahren aufgebraucht haben. Wie viel des globalen CO2-Budgets die Schweiz verbrauchen darf, hängt von gesellschaftlich bzw. politisch zu definierenden Annahmen ab.

2.1.1 Kohlenstoffbudgets

A) Global

Jede vom Menschen verursachte CO2-Emission trägt in etwa gleich stark zur globalen Erwärmung bei. Im Durchschnitt führt die Freisetzung von 1000 Gt CO2 zu einer Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur von rund 0,45 °C. 21 (Ch. D.1.1)

Das verbleibende Kohlenstoffbudget (oder CO2-Budget) bezeichnet die Menge an CO2, die weltweit ab heute höchstens noch ausgestossen werden darf, um eine bestimmte globale Temperaturgrenze nicht zu überschreiten. Ob diese Grenze eingehalten werden kann, hängt im Wesentlichen davon ab, wie viel CO2 bis zum Erreichen von netto null insgesamt ausgestossen wird und wie stark die Emissionen anderer Treibhausgase – insbesondere von Methan in diesem Jahrzehnt – reduziert werden.I Beide Faktoren bestimmen massgeblich, ob die international vereinbarte Begrenzung der globalen Erwärmung erreicht werden kann.

Das ab Anfang 2025 verbleibende globale CO2-Budget beträgt noch 130 Gt CO2, um mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % unter dem vom Übereinkommen von Paris angestrebten Erwärmungslimit von 1,5 °C zu bleiben.3 Diese Schätzung wurde seit dem IPCC-AR6-Bericht128 (damalige Schätzung: 500 Gt CO2 ab 2020) deutlich reduziert.

Basierend auf der Schätzung der vom Menschen verursachten Erwärmung bis zum Jahr 2024J von 1,36 °C und der aktuellen Temperaturanstiegsrate von 0,27 °C pro Jahrzehnt wird davon ausgegangen, dass die vom Menschen verursachte globale Erwärmung bei gleichbleibenden Emissionsraten in etwa fünf Jahren 1,5 °C erreichen würde.3

B) Schweiz

Während sich das verbleibende globale Kohlenstoffbudget basierend auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen berechnen lässt, ist die Aufteilung auf einzelne Regionen oder Länder mit gesellschaftlich bzw. politisch zu definierenden Annahmen verbunden. So könnte man den Anteil der Schweiz allein prozentual an der Bevölkerungszahl berechnen, man könnte aber auch die historischen oder die konsumbasierten (d. h. durch den Endverbrauch von Gütern und Dienstleistungen in einem Land entstehenden) Emissionen oder die Finanzkraft als Basis nehmen oder mit einbeziehen.129, 130

In der Schweiz wurden solche normativen Annahmen – wie in praktisch allen anderen Ländern – bisher nicht festgelegt. Das Übereinkommen von Paris schreibt dies nicht vor und bietet keine anerkannte Methode zur fairen Verteilung des CO2-Budgets zwischen den Vertragsstaaten. Je nach Annahme ergibt sich, dass die Schweiz ihr verbleibendes Kohlenstoffbudget für die 1,5 °C-Limite bereits aufgebraucht hat, oder dass die Emissionsminderungsziele aus der bestehenden Klimagesetzgebung das verbleibende Kohlenstoffbudget der Schweiz überbeanspruchen oder knapp einhalten.

2.1.2 Kipppunkte natürlicher Systeme

Im Klimasystem existieren zahlreiche so genannte Kipppunkte,3 (Annex I, Glossary) bei welchen Klima- oder Ökosysteme in einen anderen Zustand kommen, mit entweder abrupten oder unumkehrbaren Veränderungen. Beispiele dafür sind der Zusammenbruch der Umwälzströmung im atlantischen Ozean (oft mit «Golfstrom» bezeichnet), verbunden mit einer schnellen und starken Abkühlung in Nordeuropa; das Abschmelzen des grönländischen Eisschildes oder der Zusammenbruch des Westantarktischen Eisschildes, jeweils verbunden mit einer starken Erhöhung des Meeresspiegels; eine abrupte Freisetzung von Methan aus Ablagerungen eines festen Wasser-Methan-Gemischs (Hydraten) in den Tiefen des Ozeans; ein flächenhaftes Absterben des Amazonasregenwalds; oder das Aussterben von Tier- oder Pflanzenarten.128 (Ch. 1)

Verschiedene Kipppunkte sind miteinander verknüpft und beeinflussen sich gegenseitig.128 (Ch. 1) Die Gefahr, solche Kipppunkte zu erreichen oder zu überschreiten, steigt mit zunehmender globaler Temperatur. Einschätzungen dazu, bei welchem Temperaturanstieg diese Kipppunkte erreicht werden, sind jedoch mit grossen Unsicherheiten behaftet und werden intensiv diskutiert.

2.1.3 Überschreitung und Rückkehr zur Temperaturgrenze

Wenn die globale Erwärmung ein bestimmtes Niveau, zum Beispiel 1,5 °C überschreitet, könnte sie danach über Jahrzehnte bis Jahrhunderte wieder unter diese Marke gesenkt werden, indem global netto-negative CO2-EmissionenK über längere Zeit aufrechterhalten werden. Dies würde im Vergleich zu einer Entwicklung ohne Überschreitung zusätzliche CO2-Entnahmen erfordern. Je mehr CO2-Entnahme dabei pro Jahr erzielt werden muss, desto aufwändiger und teurer wird die Umsetzung und die Frage stellt sich, ob die erforderliche Menge technisch überhaupt erreichbar wäre.

Eine Überschreitung bringt zudem nachteilige Folgen mit sich. Einige dieser Folgen sind unumkehrbar (beispielsweise, wenn Kipppunkte überschritten werden, siehe oben), d. h. sie können mit einer globalen Abkühlung durch netto-negative Emissionen nicht mehr rückgängig gemacht werden. Je grösser das Ausmass und die Dauer der Überschreitung sind, umso stärker nehmen die Folgen und zusätzlichen Risiken für menschliche und natürliche Systeme zu.

2.2 Zukünftiger Klimawandel

Auf Grundlage der von den Staaten verabschiedeten Emissionsreduktionsziele (NDCs) ist es wahrscheinlich, dass die globale Erwärmung bereits im Jahr 2030 die Marke von 1,5 °C überschreiten wird. Damit würde auch die Begrenzung der Erwärmung auf unter 2 °C immer schwieriger werden. Klimamodellszenarien, die keine neuen, zusätzlichen Emissionsreduktionsziele annehmen, zeigen bis zum Jahr 2100 eine globale Erwärmung von rund 2,6 °C. Für die Schweiz bedeutet dies eine überdurchschnittliche Temperaturzunahme: Bei einer globalen Erwärmung von 2 °C wird eine Zunahme um rund 3,5 °C und bei 3 °C sogar um etwa 4,9 °C im Schweizer Jahresmittel erwartet.

2.2.1 Global

Globale und regionale Klimamodelle haben kontinuierlich an Komplexität und Zuverlässigkeit zugenommen. Sie bilden heute alle wesentlichen Komponenten und Prozesse des Klimasystems ab und sind unsere wichtigsten Werkzeuge zur Beschreibung des zukünftigen Klimawandels. Die Klimamodelle haben die Entwicklung der globalen Erdoberflächentemperatur in der Vergangenheit ziemlich gut vorhergesagt. Bereits die Modellrechnungen von 1988 für die zukünftige Temperaturentwicklung131 lagen sehr nahe an den Beobachtungen (beispielsweise an der gemessenen globalen mittleren Erdoberflächentemperatur), wenn man die tatsächliche Entwicklung der Emissionen berücksichtigt.

Aufgrund der aktuell versprochenen Emissionsreduktionsziele der Staaten (NDCs)L ist es wahrscheinlich, dass die Erwärmung im Laufe des 21. Jahrhunderts 1,5 °C überschreiten und die Begrenzung auf unter 2 °C erschwert möglich sein wird. Der im Moment wahrscheinlichste Zeitpunkt, an dem das 1,5 °C-Ziel langfristig überschritten wird, ist um das Jahr 2030.132 Modellszenarien, die den angekündigten NDCs bis 2030 und 2035 entsprechen und keine zusätzlichen Massnahmen beinhalten, führen zu einer globalen Erwärmung von rund 2,6 °C bis 2100.133

Emissionsszenarien, die von einem weiteren Anstieg der jährlichen Treibhausgasemissionen ausgehen (die aktuellen NDCs also nicht eingehalten werden), ergeben bis zum Ende des 21. Jahrhunderts eine globale Erwärmung von mehr als 3 °C oder sogar 4 °C im Vergleich zur vorindustriellen Referenzperiode.1 (Ch. B.1.1)

Globale Emissionspfade bis 2100

Abbildung 10: Die Umsetzung der nationalen Klimabeiträge (NDCs 2030 und 2035) würde voraussichtlich zu einer globalen Erwärmung von 2,6 °C führen. Bereits beschlossene Massnahmen führen voraussichtlich zu einer Erwärmung, die sich ebenfalls um diesen Wert bewegt. Wenn verbindliche langfristige oder Netto-Null-Ziele einbezogen werden, würde die Erwärmung auf etwa 2,2 °C über dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden.133

Infobox 4: Globale Erwärmungsniveaus

Neue Studien haben gezeigt, dass es unabhängig vom Emissionsszenario einen klaren Zusammenhang zwischen den total emittierten Treibhausgasen und der globalen Erwärmung gibt.21 (Ch. D.1.1) Gleichzeitig ist der Anstieg der globalen Mitteltemperatur die wichtigste Steuergrösse für regionale Veränderungen in weiteren Klimavariablen wie z. B. dem Niederschlag. Aufgrund dieser Zusammenhänge kann der zukünftige regionale Klimawandel statt für feste zukünftige Zeitperioden auch für bestimmte globale Erwärmungsniveaus (engl. «global warming levels», GWL) beschrieben werden, unabhängig vom Emissionsszenario (d. h. wie sich bspw. das Klima in der Schweiz bei einer globalen Erwärmung von 2 °C verändert, unabhängig davon, ob dieses Erwärmungsniveau 2050 oder 2100 erreicht wird).

2.2.2 Schweiz

Die bisher beobachteten Klimaveränderungen in der Schweiz werden sich in Zukunft fortsetzen. In ihrer Intensität und Frequenz werden sie sich ausserdem weiter verschärfen.9

Die Schweiz hat sich bislang deutlich stärker erwärmt als der globale Durchschnitt. Künftig wird sich diese überdurchschnittliche Erwärmung voraussichtlich etwas abschwächen: Zwar wird sich die Schweiz weiterhin stärker erwärmen als der globale Mittelwert, jedoch nicht mehr in dem bislang etwa doppelt so hohen Ausmass. Bei einer globalen Erwärmung von 1,5 °C im Vergleich zur vorindustriellen Referenzperiode steigen die Jahresmitteltemperaturen in der Schweiz um 2,9 °C. Für eine globale Erwärmung von 2 °C im Vergleich zur vorindustriellen Referenzperiode wird eine Erwärmung im Jahresmittel von 3,6 °C in der Schweiz projiziert, bzw. für global 3 °C eine Erwärmung von 4,9 °C.9 (Ch. 3)
Die regionalen Erwärmungsunterschiede in der Schweiz werden sich je nach Szenario weiter verstärken. Bei einer globalen Erwärmung von 3 °C im Vergleich zur vorindustriellen Referenzperiode erwärmen sich das Mittelland und der Jura im Sommer (Juni bis August) um etwa 5,1 °C und hochalpine Räume um 6 °C.M Diese Erwärmungsdifferenzen je nach Region sind vor allem im Sommer sehr markant, im Jahresdurchschnitt verglichen zur globalen Erwärmung eher klein.9 (Ch. 3)

2.3 Zukünftige Klimawandelfolgen und klimabedingte Risiken

Für alle Regionen der Welt wird ein weiterer Anstieg der Klimarisiken erwartet. Für die Schweiz sind die relevantesten Risiken eine Zunahme von Hitzeperioden und Tropennächten, ein steigendes Naturgefahrenpotenzial, Veränderungen von Lebensräumen und Artenzusammensetzungen sowie klimawandelbedingte Unterbrechungen von internationalen Lieferketten.

2.3.1 Global

Für alle Regionen der Welt wird ein weiterer Anstieg der Klimarisiken erwartet.1 (Ch. B.2.3) Bei einer Erwärmung um mehr als 1,5 °C werden die Risiken immer stärker ansteigen und sich vervielfachen. Klimarisiken werden immer komplexer und vernetzter und damit schwieriger zu bewältigen. Schon ab einer globalen Erwärmung von 1,5 °C steigt das Risiko deutlich, dass sogenannte Kipppunkte im Klimasystem erreicht werden.134 (Ch. 3.5.5)

In Zukunft wird der allmähliche Anstieg des Meeresspiegels die notwendigen Umsiedlungen aufgrund der Unbewohnbarkeit der betroffenen Gebiete erheblich verstärken.135 Der Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und Konflikten, die zu Flüchtlingsmigrationen nach Europa führen könnten, bleibt allerdings schwach.136

Klimarückkopplungen werden im Laufe dieses Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung gewinnen, selbst wenn der direkte Einfluss des Menschen auf die Klimaerwärmung abnimmt. So hat sich beispielsweise gezeigt, dass tiefliegende Wolken, die mit der Erwärmung zunehmen, den Klimawandel letztlich weiter verstärken.137 Die Erwärmung führt auch zu höheren Methanemissionen (z. B. aus Sumpfgebieten) sowie zusätzlichen CO2-Emissionen (z. B. durch Waldbrände). Diese steigern wiederum die Treibhauskonzentrationen und somit die Erwärmung.3

Infobox 5: Das IPCC-Risikokonzept

Im IPCC-Bericht bezeichnet der Begriff «Risiko» das Potenzial für das Eintreten von nachteiligen Folgen des Klimawandels. Damit sind sowohl Auswirkungen auf Menschen (z. B. bezüglich Gesundheit, Sicherheit oder Lebensgrundlagen) als auch auf ökologische Systeme (z. B. Tiere, Pflanzen oder Ökosysteme) gemeint. Der Bericht berücksichtigt ausserdem, dass Risiken nicht nur durch den Klimawandel selbst, sondern auch durch Massnahmen zu seiner Bekämpfung entstehen können – etwa, wenn Anpassungen unbeabsichtigte Folgen haben. Zudem wird anerkannt, dass Menschen Risiken unterschiedlich wahrnehmen und bewerten, je nach ihren Erfahrungen, Werten und Lebensumständen.

2.3.2 Schweiz

A) Schweiz allgemein

Der fortschreitende globale Temperaturanstieg birgt folgende Hauptrisiken für die Schweiz:9, 74

  • Grössere Hitze: Extreme Tageshöchsttemperaturen, die früher einmal in 50 Jahren auftraten, treten bei einer globalen Erwärmung von 1,5 °C etwa 2,6-mal und bei 3 °C etwa 16,7-mal häufiger auf.9 Hitzeereignisse betreffen insbesondere Regionen in tiefen Lagen, besonders in Städten und der Agglomeration, wo aktuell drei Viertel der Schweizer Bevölkerung leben. Aber auch Regionen in den Alpen und Voralpen, in denen bisher keine Tropennächte oder Hitzetage beobachtet wurden, werden in Zukunft von Hitze betroffen sein. Dies beeinflusst massgeblich die menschliche Gesundheit und dadurch auch den Wirtschaftssektor aufgrund einer reduzierten Leistungsfähigkeit.74
  • Trockenere Sommer: Im Gegensatz zu früheren Analysen zeigen Messungen in der ganzen Schweiz eine klare Abnahme der Bodenfeuchtigkeit.9 Die Verdunstung und damit auch die Austrocknung werden weiter zunehmen. Zusätzlich zeigen die meisten Klimaprojektionen eine langfristige Abnahme des Sommerniederschlags. In Kombination werden dadurch Dürren intensiver und häufiger. Trockenes und windiges Wetter begünstigt zudem die Ausbreitung von Waldbränden.74 (Ch. 2.2.2)
  • Häufigere und heftigere Starkniederschläge: Starke Niederschlagsereignisse werden in allen Jahreszeiten weiter zunehmen. Wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, was zu höheren Niederschlagsmengen während Extremereignissen führt.9 Sowohl Beobachtungen wie auch Modelle und das Prozessverständnis weisen auf eine Zunahme der Luftfeuchtigkeit von etwa 6 bis 7 % pro Grad regionaler Erwärmung hin.74 (Ch. 2.3) Eine Intensivierung der Starkniederschläge ist vor allem bei kürzeren Niederschlagsereignissen (Dauer von wenigen Stunden) wie beispielsweise bei Gewittern zu erwarten.9, 74 (Ch. 2.3.2)
  • Weniger Schnee und Anstieg der Nullgradgrenze: Die Nullgradgrenze wird weiter ansteigen. Niederschlag wird daher vermehrt in Form von Regen statt Schnee fallen. Die Schneedecke wird aufgrund der milderen Temperaturen insbesondere im Frühling verringert. Damit wird sich die Dauer der Schneesaison vor allem in niedrigen und mittleren Höhenlagen erheblich verkürzen. Hochalpine Lagen sind davon deutlich weniger betroffen.9
  • Steigendes Naturgefahrenpotenzial: Das Naturgefahrenpotenzial steigt weiter an, beispielsweise durch das Auftauen des Permafrosts und das Abschmelzen der Gletscher in hochalpinen Gebieten, wodurch Geröll, Fels und Eis instabil werden. Davon betroffen ist vor allem die Wirtschaft durch die entstehenden Sachschäden und Einbussen im Tourismus.74 (Ch. 2.3)
  • Die Veränderung von Lebensräumen und der Artenzusammensetzung: Diese Veränderungen wirken sich insbesondere auf die Landwirtschaft (Ernteeinbussen, Schädlinge bzw. Krankheiten), die biologische Vielfalt, die Ernährung und die menschliche Gesundheit aus.74 (Ch. 2.5)
  • Instabile globale Lieferketten: Die starke Abhängigkeit von Importen aus dem Ausland macht die Schweiz sehr verwundbar gegenüber internationalen Krisen. Werden etwa internationale Lieferketten unterbrochen, ist in der Schweiz die Bedarfsdeckung – zum Beispiel während einer Dürre mit multiregionalen Ernteausfällen oder bei einer Gesundheitskrise – gefährdet.74 (Ch.3.1), 138

Die zukünftigen weltweiten Treibhausgasemissionen bestimmen die Geschwindigkeit und das Ausmass der Erwärmung, ihre Folgen und das Erreichen der Klimaziele. Jede weitere Erwärmung wird spürbare klimatische Folgen für die Schweiz bedeuten. Mit einer signifikanten Reduktion der globalen Emissionen liesse sich ein wesentlicher Teil des Klimawandels vermeiden, insbesondere auch die Erwärmung in den Alpen.9

Klimawandelfolgen pro Erwärmung für Europa

Abbildung 11: Anstieg der Risiken für Zentraleuropa bei zunehmender Erwärmung in den für Zentraleuropa relevanten Sektoren (die Risiken in der Schweiz sind ähnlich).108 (Fig. 13.28), 139

B) Wasser

Der massive Verlust an Gletschervolumen wird während trockenen und heissen Perioden die Wasserverfügbarkeit und Stromproduktion spürbar verringern, da die Schmelzwassermenge wegen der schwindenden Schnee- und Eismassen weiter abnehmen und die Verdunstung zunehmen wird. Quellen, aber auch das Grundwasservolumen, können zukünftig in längeren Trockenphasen an Ergiebigkeit einbüssen. Dadurch wird sich die Wasserkonkurrenz zwischen landwirtschaftlicher Nutzung, Stromproduktion, Trinkwasserversorgung, industrieller Nutzung und Gewässerschutz weiter verschärfen.140

Neben einer Abnahme des Sommerabflusses wird eine Verringerung der Wasserqualität in Seen aufgrund steigender Wassertemperaturen, häufigeren Trockenperioden und geringerer Durchmischung erwartet.27, 29, 141, 142, 143, 144, 145 Im Mittelland werden Niedrigwasser ausgeprägter und im Sommer kann vermehrt Wasserknappheit auftreten.29, 143, 145

Wasserbedingte Naturgefahren werden weiter zunehmen.146 Die erwartete Zunahme von Starkniederschlägen wird sich regional unterschiedlich auf das Hochwassergeschehen auswirken, da sich auch Bodenfeuchte und Schneeschmelzbeiträge verändern und beide Faktoren für die Bildung von Hochwasserspitzen in der Schweiz eine entscheidende Rolle spielen.147

In urbanen, beziehungsweise versiegelten Gebieten ist aufgrund der zunehmenden Niederschlagsintensität mit einer Zunahme von Oberflächenabfluss und Hochwasserspitzen zu rechnen.9 Ausserdem werden die Extremereignisse in Grösse (Intensität und räumliche Betroffenheit) und Häufigkeit zunehmen.141

Die Grundwassertemperaturen werden sich weiter erhöhen und die Wasserressourcen und die Trinkwasserversorgung beeinträchtigen.148 Bei Niedrigwasserverhältnissen kann es zukünftig zunehmend vorkommen, dass nicht mehr die Fliessgewässer das Grundwasser speisen, sondern das Grundwasser die Fliessgewässer.149

C) Biodiversität

Der Klimawandel wird Lebensräume sowie das Verhalten der Arten im Verlauf der Jahreszeiten noch stärker beeinflussen und damit Veränderungen in der Artenzusammensetzung und lokales Verschwinden von Arten in allen Lebensräumen beschleunigen.150, 151 Die Biodiversität kann zukünftig durch Gebietsverschiebungen von Arten lokal ab- oder zunehmen.152

Langfristig ist mit einem Rückgang bestimmter Lebensräume und der darauf angewiesenen spezialisierten Arten zu rechnen. Dies gilt insbesondere für Moore, Trockenwiesen, Quellen, Gewässer und alpine Lebensräume.153

Unterschiedliche Anpassung oder Anpassungsgeschwindigkeiten von Arten an den Klimawandel könnten zukünftig zum Unterbruch von Interaktionen zwischen Arten führen, beispielsweise wenn die Aktivität von Bestäubern nicht mehr mit der Blütezeit zusammenfällt154, 155 oder wenn Räuber ihre Beute zeitlich oder räumlich verpassen.156, 157 Dies kann zu einem Rückgang der betroffenen Arten führen und deren Verschwinden beschleunigen.

D) Wald

Die Veränderung des Klimas setzt vor allem die Bäume in den tieferen Lagen der Schweiz zunehmend unter Stress, was ihre Anfälligkeit für Extremereignisse erhöht.22 Dies betrifft insbesondere die häufig in der Schweiz vorkommenden Baumarten Fichte, Buche und Tanne.46, 158 Die zukünftige Waldentwicklung wird deshalb stark durch Stürme, Insektenbefall, Brände sowie Hitze- und Trockenperioden geprägt,159, 160 auch in höheren Lagen.

Aufgrund der Einwirkungen des Klimawandels auf den Wald sind viele von der Gesellschaft nachgefragte Ökosystemleistungen zukünftig gefährdet, von der Kohlenstoffspeicherung über die nachhaltige Produktion von Holz bis zur Schutzwirkung vor Naturgefahren.161, 162

E) Eis und Schnee

Mit der weiter ansteigenden Nullgradgrenze und den damit verbundenen Änderungen in der alpinen Kryosphäre steigt das Naturgefahrenpotenzial und die Wahrscheinlichkeit für Rutschungen, Murgänge oder Bergstürze aus diesem Gebiet. Zunehmende Hangdeformationen und Bodensetzungen aufgrund von Permafrosterwärmung und Verlust von Bodeneis führen zu einem aufwändigeren Unterhalt und einer verkürzten Nutzungsdauer von Infrastrukturen.163, 164

Wegen der höheren Temperaturen wird im Winter Regen bis in grosse Höhen fallen und dadurch werden Regenfälle auf geschlossene Schneedecken in den Voralpen und Alpen wahrscheinlicher.165 Dabei können kombinierte Lawinen-Murgang-Ereignisse ausgelöst werden. Diese weisen spezielle Eigenschaften bezüglich Fliess- und Erosionsverhalten auf, da sehr wässrige Geröllmassen schneller und weiter fliessen oder mehr Zerstörungskraft aufweisen können als Murgänge und Lawinen für sich allein.166

Massenbewegungen im Gebirge können Prozessketten (kaskadenartige Extremereignisse) auslösen. Solche Prozessketten werden in Zukunft zunehmen166, 167, 168 und können regional und lokal zu neuen oder veränderten Gefahrensituationen durch Naturgefahren (wie Murgänge oder Felsstürze) führen.

F) Landwirtschaft und Ernährungssystem

Tendenziell wird die Eignung für einzelne Pflanzenkulturen in der Schweiz mittelfristig zu- und längerfristig abnehmen.169 Die länger werdende Vegetationsperiode begünstigt das Pflanzenwachstum zunächst.56 In Zukunft wird die Pflanzenproduktion jedoch stark durch Trockenheit gefordert sein,58 wodurch die effektive Produktivitätssteigerung von der Wasserverfügbarkeit abhängig sein wird.170, 171 Die Wasserverfügbarkeit wird besonders in den alpinen Regionen nach Abschmelzen der Gletscher eingeschränkt sein.172 Auch die Tierhaltung wird durch Einbussen in der Futterproduktion, steigendem Risiko von Hitzestress oder Problemen bei der Wasserbereitstellung betroffen sein.173 Die dadurch abnehmende Ertragsstabilität wird zu stärkeren Schwankungen des Selbstversorgungsgrads der Schweiz führen.58

Der weitere Anstieg der Wintertemperaturen174 erhöht das Risiko für die Ansiedlung invasiver, gebietsfremder Insekten- und Schädlingsarten. Zudem wird das Potenzial für Interaktionen mit der heimischen Flora und Fauna zunehmen.175, 176 Dies kann zu mehr Schädlingsbefall und zur Verdrängung einheimischer Arten, aber auch zu einer grösseren Vielfalt an Kulturpflanzen führen.

Die Zunahme der Frequenz und Intensität von Extremereignissen wird das Risiko für Schäden in der landwirtschaftlichen Anbaufläche und an Infrastrukturen und für Ertragsverluste durch Hochwasser, Rutschungen, Hagel und Stürme erhöhen.177

Für die Schweiz als Nettoimporteurin von Nahrungsmitteln sind stabile globale Lieferketten und verlässliche Partnerländer weiterhin von Bedeutung, um die Verfügbarkeit von Lebensmitteln, Saatgut, Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln aus dem Ausland sicherzustellen.58 Da diese Lieferketten jedoch zunehmend durch geopolitische Spannungen oder klimatische Extremereignisse gestört werden, könnte es für die Schweiz sinnvoll sein, diese Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen, um bei Bedarf frühzeitig reagieren zu können.58

G) Gesundheit

Die bereits heute beobachteten Tendenzen einer stärkeren Gesundheitsbelastung durch den voranschreitenden Klimawandel nehmen weiter zu und verstärken sich. Hierzu zählen eine zunehmende Belastung infolge reduzierter Schlafqualität und Arbeitsproduktivität, vermehrte Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie eine stärkere psychische Beanspruchung (z. B. Gereiztheit bei Hitze, Folgebelastungen nach Naturgefahren-Ereignissen, erhöhte Suizidrate).178 (Ch. 8) Insbesondere die hitzebedingte Sterblichkeit wird in der Schweiz um 2060 deutlich höher sein als heute. Neben dem Klimawandel trägt dabei auch der demografische Wandel wesentlich zur Zunahme klimabedingter Gesundheitsrisiken bei, da die alternde Bevölkerung besonders anfällig für extreme Temperaturen ist.179, 180

Mit steigenden Temperaturen und somit besseren Lebensbedingungen für Mückenarten wird sich deren Verbreitung kontinuierlich fortsetzen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zu Ansteckungen mit Zika, Dengue, Chikungunya oder Malaria innerhalb der Schweiz kommt. In den Nachbarländern Frankreich und Italien ist dies bereits der Fall.181

H) Energie, Infrastrukturen und urbaner Raum

Der Klimawandel schafft neue Risiken und Chancen für das Energiesystem. Aufgrund höherer Wintertemperaturen sinkt der Raumwärmebedarf.182 Dadurch wird in einer Übergangsphase der Treibhausgasausstoss fossiler Energieträger reduziert. In einem zukünftigen System mit vorwiegend Wärmepumpen reduzieren höhere Wintertemperaturen deren Strombedarf. Gleichzeitig steigt der Strombedarf im Sommer für Raumkühlung. Aufgrund des zu erwartenden Stromüberangebots aus Solaranlagen bei Schönwetterlagen stellt dies für das Stromsystem eher eine Entlastung dar.183 Eine intelligente Steuerung der Wärmepumpen für die Raumkühlung kann hierbei die Last auf die Stromnetze reduzieren.184 Im Sommer braucht es eine geeignete Wärmeabfuhr, um den städtischen Wärmeinseleffekt durch die Abwärme der Kühlanlagen nicht unnötig zu verstärken.185 Insgesamt wird der jährliche Energiebedarf zum Heizen und Kühlen leicht sinken.186

Aufgrund veränderter Niederschlagsmuster steigt die Produktivität der Wasserkraft im Winter, während sie im Sommer sinkt.27 Die starke Gletscherschmelze maskiert aktuell diesen Rückgang im Sommer teilweise noch, dieser wird sich jedoch verstärkt zeigen, sobald die Gletscher weitgehend verschwunden sind.187 Aufgrund der schmelzenden Gletscher, des auftauenden Permafrosts und der zunehmenden Starkregenereignisse steigt der Sedimenteintrag in Speicherseen, so dass diese schneller verlanden und die nutzbare Speicherkapazität immer schneller sinkt.188 Zusätzlich werden Speicherseen zukünftig neben der Stromproduktion andere Aufgaben übernehmen müssen, beispielsweise die Hochwasserrückhaltung und die Trinkwasserversorgung alpiner Regionen im Sommer.188

Die Gesamtausgaben für Elektrizität in der Schweiz werden voraussichtlich leicht ansteigen aufgrund des steigenden Strombedarfs an Elektrizität für den Verkehr, das Heizen und Kühlen von Gebäuden sowie für den Betrieb von Rechenzentren.189 Ob die Umstellung auf erneuerbare Energien den Strompreis pro Kilowattstunde langfristig erhöhen oder senken wird, lässt sich derzeit nicht eindeutig vorhersagen. Allerdings ist elektrische Energie im Vergleich zu fossilen Energieträgern deutlich effizienter nutzbar, sodass die Elektrifizierung trotz möglicher Preissteigerungen insgesamt wirtschaftliche Vorteile bringt.189

Bauten und Infrastrukturen, das heisst Gebäude sowie Energie-, Verkehrs- und Kommunikationsnetze, sind grundsätzlich anfällig für die Auswirkungen der Klimaerwärmung. Das gilt insbesondere für Extremereignisse wie Überschwemmungen, gravitative Naturgefahren wie Felsstürze und Murgänge sowie Extremtemperaturen.190 Soziale Infrastrukturen, die beispielsweise dem Bevölkerungsschutz dienen (Zivilschutz, Feuerwehr, Führungsstäbe etc.), stehen ebenfalls vor wachsenden Herausforderungen, insbesondere wegen der zunehmenden Beanspruchung durch häufigere und komplexere Extremereignisse.191 Das Gesundheitswesen (Spitäler, Spitex etc.) wird vor allem während Hitzeperioden immer stärker gefordert sein.191

Wirtschaftliche Aktivitäten, die auch zukünftig von über den Rhein transportierten Gütern abhängig sind, sind empfindlich gegenüber ausgeprägten Niedrigwasserperioden. Heute sind dies neben Rohöl und Ölerzeugnissen vor allem Agrarprodukte, Baustoffe, Metalle und Maschinen. Zwar könnten Schiffe mit geringerem Tiefgang den Transport bei Niedrigwasser erleichtern, doch deren Einführung verläuft nur langsam, da bestehende Schiffe eine lange Lebensdauer haben und erst nach und nach ersetzt werden.192 (Ch. 2.2.3)

I) Wirtschaft und Gesellschaft

WIRTSCHAFT

Die Berechnung der Kosten des ungebremsten Klimawandels ist aufgrund physikalischer und sozioökonomischer Unsicherheiten sowie der hohen Komplexität des betrachteten Systems sehr schwierig. Zwar existieren ökonomische Modelle,N die Anpassungen an den Klimawandel berücksichtigen und umfassende Kostenschätzungen ermöglichen, doch sind diese Schätzungen mit grossen Unsicherheiten behaftet und oft nur eingeschränkt auf die Schweiz übertragbar. Verlässliche, vollständig schweizspezifische Kostenschätzungen, die sämtliche direkten und indirekten Effekte sowohl des ungebremsten Klimawandels, als auch spezifischer Gegenmassnahmen einbeziehen, liegen bislang (beim Abschluss dieses Berichts) nicht vor. Kostenschätzungen sind aber möglich, wenn der Fokus auf spezifische Aspekte oder Sektoren gelegt wird und alle weiteren Aspekte ausser Acht gelassen werden (siehe nächster Absatz). Zur Interpretation dieser Kostenschätzungen ist jedoch das Wissen über ihre Einschränkungen und die getroffenen Annahmen zwingend erforderlich.

Der Bundesrat stützt sich in seiner langfristigen Klimastrategie auf eine Studie, welche die Kosten des Klimawandels auch explizit für die Schweiz berechnet.194 Gemäss dieser Studie können die gesamtwirtschaftlichen Kosten eines ungebremsten Klimawandels in der Schweiz bereits im Jahr 2050 bei über 4 % des BIP liegen bzw. 38 Mrd. CHF pro Jahr betragen. Im Falle einer Stabilisierung der durchschnittlichen globalen Oberflächentemperatur auf 2 °C verringern sich diese Kosten auf 1,5 % des BIP bzw. 14 Mrd. CHF pro Jahr. Da jedoch nur die Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum betrachtet werden und alle Einflüsse auf Mensch und Natur nicht berücksichtigt sind, werden dabei die Gesamtkosten des Klimawandels systematisch unterschätzt.

Obwohl sich die Gesamtkosten eines ungebremsten Klimawandels nicht eindeutig beziffern lassen, ist auf globaler Ebene davon auszugehen, dass sie höher sind als die Kosten für eine Eindämmung des Klimawandels gemäss dem Übereinkommen von Paris.186, 240 (Ch. TS.4.2) Wirtschaftlich gesehen bietet die Eindämmung des Klimawandels auch grosses ökonomisches Potenzial für die Schweiz, denn der Klimaschutzsektor ist global einer der am schnellsten wachsenden Wirtschaftssektoren.196

TOURISMUS

Der Wintertourismus ist insbesondere durch die abnehmende Schneesicherheit direkt betroffen. Die Kosten für künstliche Beschneiung werden weiter steigen und aufgrund des hohen Wasser- und Energieverbrauchs zunehmend ökologische und ökonomische Grenzen erreichen.192 (Ch. 2.4.2) Tiefer gelegene Gebiete sind zunehmend gefährdet, unrentabel zu werden und sich umorientieren zu müssen.77, 197 Höher gelegene Gebiete werden zwar kurzfristig von der relativ gesehen höheren Schneesicherheit profitieren, langfristig jedoch möglicherweise ebenfalls unter Druck geraten.

Aufgrund des steigenden Naturgefahrenpotenzials (Murgänge, Felsstürze usw.) steigen auch die Kosten für den Unterhalt und den Bau von Schutzmassnahmen für touristische Infrastrukturen wie Wanderwege und Verkehrsanbindungen.78, 198

Im Frühling und vor allem im Herbst hingegen ergeben sich zukünftig neue Chancen durch eine verlängerte Saison, im Sommer auch durch ein kühleres Klima in den Bergen während Hitzeperioden. Die steigende Sommerhitze wird voraussichtlich dazu führen, dass Touristinnen und Touristen traditionelle mediterrane Destinationen zunehmend meiden und höhere oder nördlichere Regionen bevorzugen.198

VERSICHERUNGEN UND FINANZINDUSTRIE

Der Klimawandel sowie die wirtschaftliche Entwicklung von Privateigentum und öffentlicher Infrastruktur, die zu wachsendem Gesamtwert der durch Naturgefahren betroffenen Bauten führt, werden das Schadenspotenzial sehr wahrscheinlich weiter steigen lassen.192 (Ch. 2.3) Die Versicherungswirtschaft muss sich dabei neuen Herausforderungen wie steigenden Schadenssummen stellen.

Finanzakteure neigen dazu, sowohl das physische Klimarisiko als auch das Übergangsrisiko, d. h. Risiken im Zusammenhang mit dem Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft, zu unterschätzen – insbesondere bei Zeiträumen, die über ein Jahrzehnt oder länger reichen.199 Dies hat zur Folge, dass die von Finanzintermediären verwalteten Ersparnisse und Investitionen von Bürgerinnen und Bürgern und dem Staat wachsenden Risiken ausgesetzt sein werden. Zudem wird auch die Finanzierungslücke für Anpassung und Minderung vergrössert, sodass der Finanzsektor nicht den Beitrag leistet, den er zur Erreichung der Klimaziele leisten könnte. Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Finanzsektor ist für die Schweiz besonders relevant, da der Finanzsektor im Vergleich zu anderen Ländern einen höheren Anteil am BIP ausmacht.200

ÖFFENTLICHE FINANZEN

Durch den Klimawandel und die dadurch notwendigen politischen Massnahmen kommen auch finanzielle Zusatzlasten auf die öffentlichen Haushalte zu. Diese entstehen sowohl einnahmeseitig (z. B. durch sinkende Einnahmen aus der Mineralölsteuer) wie auch ausgabeseitig (z. B. durch höhere Kosten für Anpassungsmassnahmen und Subventionen). Die Quantifizierung dieser Kosten ist generell mit grossen Unsicherheiten behaftet.201 Für die Schweiz wird davon ausgegangen, dass die Gesamtauswirkungen des Klimawandels auf die öffentlichen Finanzen mehrheitlich negativ ist.202, 203

Brennpunkt Klima Schweiz

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