Biodiversität

Diese Themenansicht bündelt alle Unterkapitel zum Thema «Biodiversität» und reiht sie übersichtlich nacheinander auf – für einen schnellen, themenspezifischen Überblick.

Der Trend, dass Arten durch die Klimaerwärmung ihre Verbreitung in die Höhe verschieben, hat sich fortgesetzt und sich parallel zur Erwärmung der letzten Jahrzehnte noch verstärkt.30, 31 Im Gipfelbereich, im Bergwald und an der Baumgrenze ist dieser Trend besonders ausgeprägt.32, 33, 34 Die Folgen sind eine Zunahme von Arten, die wärmere Bedingungen bevorzugen, sowie eine längere Vegetationsperiode durch früher einsetzendes Pflanzenwachstum.35 Die Alpen sind grüner geworden.36

Dabei gibt es grosse Unterschiede in der Geschwindigkeit, mit der Arten in die Höhe wandern.31, 37 Die meisten Arten wandern zu langsam, um ihre gewohnten Klimabedingungen zu behalten. Nur mobile Arten wie Reptilien, Vögel und terrestrische Insekten können mit der Temperaturänderung mehr oder weniger Schritt halten.31, 38

Der Klimawandel führte so zum Verlust von Lebensräumen kälteangepasster Arten. Dadurch ist ein langfristiger Anstieg des Aussterberisikos zu beobachten, insbesondere für Arten mit begrenzten Ausbreitungsmöglichkeiten oder für solche, die unter zunehmender Konkurrenz leiden (z. B. das SchneehuhnF).39, 40, 41 In den Alpen verschärfen landwirtschaftliche Nutzungsänderungen den Druck auf die Gebirgsbiodiversität zusätzlich – so etwa die Aufgabe von bisher genutzten Flächen in höheren Lagen, die Intensivierung in den Tieflagen sowie das Vorrücken des Bergwaldes.32, 42

Der Klimawandel wird Lebensräume sowie das Verhalten der Arten im Verlauf der Jahreszeiten noch stärker beeinflussen und damit Veränderungen in der Artenzusammensetzung und lokales Verschwinden von Arten in allen Lebensräumen beschleunigen.150, 151 Die Biodiversität kann zukünftig durch Gebietsverschiebungen von Arten lokal ab- oder zunehmen.152

Langfristig ist mit einem Rückgang bestimmter Lebensräume und der darauf angewiesenen spezialisierten Arten zu rechnen. Dies gilt insbesondere für Moore, Trockenwiesen, Quellen, Gewässer und alpine Lebensräume.153

Unterschiedliche Anpassung oder Anpassungsgeschwindigkeiten von Arten an den Klimawandel könnten zukünftig zum Unterbruch von Interaktionen zwischen Arten führen, beispielsweise wenn die Aktivität von Bestäubern nicht mehr mit der Blütezeit zusammenfällt154, 155 oder wenn Räuber ihre Beute zeitlich oder räumlich verpassen.156, 157 Dies kann zu einem Rückgang der betroffenen Arten führen und deren Verschwinden beschleunigen.

Minderung

Die Wiederherstellung von Moorlandschaften schützt nicht nur wertvolle Lebensräume, sondern leistet durch ihre Fähigkeit zur CO2-Speicherung einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.276

Bei der Planung von Infrastrukturen für erneuerbare Energien ist vor allem im alpinen Raum die Zusammenarbeit zwischen Expertinnen und Experten für erneuerbare Energien, Klimawissenschaft, Raumplanung und biologische Vielfalt entscheidend, um sicherzustellen, dass diese Projekte ohne Beeinträchtigung des ökologischen Gleichgewichts umgesetzt werden.277

Anpassung

Die steigenden Temperaturen und vermehrte Extremereignisse wie Trockenperioden beeinflussen die Funktionalität verschiedener Ökosysteme, darunter Moorlandschaften und die Agrarlandschaft. Gerade im Grasland hilft eine hohe Artenvielfalt, dass die Ökosystemleistungen – mindestens bezüglich Futtererträge – selbst bei Dürreperioden weiterhin gewährleistet sind.275, 278

Massnahmen zum Erhalt der Biodiversität umfassen einen verstärkten Schutz, die Vernetzung von Lebensräumen aller Art mit hoher ökologischer Qualität («ökologische Infrastruktur»), eine nachhaltige Landnutzung und den Einbezug der Biodiversität in die Raumplanung auf der ganzen Fläche.279 Vor allem gilt es, die Biodiversität in der Landwirtschaft zu erhöhen, z. B. durch agrarökologische Praktiken und Anbausysteme, und den Alpenraum als Hotspot und Rückzugsort der Biodiversität und vieler Arten, für welche die Schweiz eine hohe Verantwortung trägt, zu bewahren.280 Auch die Vermeidung zusätzlicher Bodenversiegelung sowie Massnahmen zur Renaturierung tragen zur Verbesserung bei.282, 283

Die touristische Nutzung erfolgt idealerweise möglichst sanft, d. h. mit wenigen Eingriffen in die Landschaft wie Planierungen oder baulichen Massnahmen. Beim Skitourismus ist zudem ein schonender Umgang mit Böden und Vegetation wichtig. Wo Eingriffe nötig sind, kann eine naturnahe Begrünung zur ökologischen Stabilisierung beitragen.

Brennpunkt Klima Schweiz

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