Landwirtschaft und Ernährungssystem

Diese Themenansicht bündelt alle Unterkapitel zum Thema «Landwirtschaft und Ernährungssystem» und reiht sie übersichtlich nacheinander auf – für einen schnellen, themenspezifischen Überblick.

Der Temperaturanstieg hat zu einer Verlängerung der Vegetationsperiode um 2–4 Wochen seit 196110 und zu einer Ausweitung der für den Ackerbau potenziell günstigen Flächen geführt.56

Aufgrund der anhaltenden Tendenz zu trockeneren Sommerhalbjahren litten Sömmerungsgebiete in den Alpen und im Jura zunehmend unter Wasserknappheit.57

Neben der Trockenheit haben in den letzten Jahren auch starke Regenfälle, Hagel und Spätfröste die landwirtschaftliche Produktion beeinträchtigt und in einigen Fällen erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht.58 Die Folgen steigender Temperaturen auf die jahreszeitliche Entwicklung der Pflanzen und das Auftreten von Frost haben das Risiko von Frostschäden an Obstpflanzen in höheren Lagen der Schweiz bereits erhöht, in tieferen Lagen jedoch unverändert gelassen.

Die ansteigende Häufigkeit von Hitzeperioden hat zudem die Hitzebelastung für Nutztiere erhöht, mit Folgen für ihr Wohlbefinden und ihre Produktivität.60

Tendenziell wird die Eignung für einzelne Pflanzenkulturen in der Schweiz mittelfristig zu- und längerfristig abnehmen.169 Die länger werdende Vegetationsperiode begünstigt das Pflanzenwachstum zunächst.56 In Zukunft wird die Pflanzenproduktion jedoch stark durch Trockenheit gefordert sein,58 wodurch die effektive Produktivitätssteigerung von der Wasserverfügbarkeit abhängig sein wird.170, 171 Die Wasserverfügbarkeit wird besonders in den alpinen Regionen nach Abschmelzen der Gletscher eingeschränkt sein.172 Auch die Tierhaltung wird durch Einbussen in der Futterproduktion, steigendem Risiko von Hitzestress oder Problemen bei der Wasserbereitstellung betroffen sein.173 Die dadurch abnehmende Ertragsstabilität wird zu stärkeren Schwankungen des Selbstversorgungsgrads der Schweiz führen.58

Der weitere Anstieg der Wintertemperaturen174 erhöht das Risiko für die Ansiedlung invasiver, gebietsfremder Insekten- und Schädlingsarten. Zudem wird das Potenzial für Interaktionen mit der heimischen Flora und Fauna zunehmen.175, 176 Dies kann zu mehr Schädlingsbefall und zur Verdrängung einheimischer Arten, aber auch zu einer grösseren Vielfalt an Kulturpflanzen führen.

Die Zunahme der Frequenz und Intensität von Extremereignissen wird das Risiko für Schäden in der landwirtschaftlichen Anbaufläche und an Infrastrukturen und für Ertragsverluste durch Hochwasser, Rutschungen, Hagel und Stürme erhöhen.177

Für die Schweiz als Nettoimporteurin von Nahrungsmitteln sind stabile globale Lieferketten und verlässliche Partnerländer weiterhin von Bedeutung, um die Verfügbarkeit von Lebensmitteln, Saatgut, Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln aus dem Ausland sicherzustellen.58 Da diese Lieferketten jedoch zunehmend durch geopolitische Spannungen oder klimatische Extremereignisse gestört werden, könnte es für die Schweiz sinnvoll sein, diese Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen, um bei Bedarf frühzeitig reagieren zu können.58

Minderung

Die Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, eine klima- und standortangepasste Nahrungsmittelproduktion mit einem Selbstversorgungsgrad von mindestens 50 % zu erreichen, den Pro-Kopf-Fussabdruck der Ernährung um zwei Drittel gegenüber 2020 zu senken und die Treibhausgasemissionen der landwirtschaftlichen Produktion im Inland um mindestens 40 % zu reduzieren.290 Mit den aktuell ergriffenen Massnahmen besteht jedoch noch eine deutliche Ziellücke.291, 292

Optionen für produktionsseitig-technische Massnahmen in der Tierproduktion beinhalten Anpassungen in der Fütterung293, 294, 295 und im Herdenmanagement296 oder den Bau von Biogasanlagen.297 Im Pflanzenbau können die Erhöhung der Effizienz der Stickstoffdüngung,298, 299 ein vermehrter Anbau von Leguminosen300, 301 und Kohlenstoff-Sequestrierung (z. B. durch Humusaufbau302, 303 Ausbringung von Pflanzenkohle304 oder Agroforstsysteme305) zum Erreichen der oben genannten Ziele beitragen.

Die Umsetzung von produktionsseitig-technischen Massnahmen ist herausfordernd.291 Dafür sind zum einen hohe Kosten306 verantwortlich, aber auch logistisch-organisatorische Herausforderungen, die unter anderem auf kleinräumige landwirtschaftliche Strukturen zurückzuführen sind, sowie soziale und kulturelle Aspekte.307, 308

Konsumseitig-strukturelle Massnahmen fokussieren sich auf transformative Prozesse und Verhaltensänderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und weisen grosse Potenziale auf (minus 50 % der Emissionen). Zwei Hauptstossrichtungen sind die Reduktion von Lebensmittelverlusten309, 310 und die Umstellung hin zu einer ressourcenschonenden Ernährung.309, 310

Für einen effizienten Klimaschutz ist eine ganzheitliche Systemperspektive unerlässlich. Dazu gehört die effiziente Nutzung der beschränkten Fläche und der produzierten Biomasse.311 Ca. 80 % der landwirtschaftlichen Emissionen in der Schweiz können der Tierhaltung291 respektive dem Verzehr von tierischen Lebensmitteln zugeschrieben werden.312 Auf 60 % der Schweizer Ackerfläche wird Tierfutter produziert.313 Eine Reduktion der landwirtschaftlichen Emissionen lässt sich daher durch die Förderung des Anbaus pflanzenbasierter Lebensmittel und die Stärkung einer pflanzenbasierten Ernährung erreichen.314, 315 Gleichzeitig kann auch die Anpassung der Tierbestände an das lokal vorhandene Futterangebot zur Emissionsreduktion beitragen.316, 317 Diese Anpassungen führen zu einer Erhöhung des Selbstversorgungsgrades und der Versorgungssicherheit.318

Bei der Ausgestaltung der Massnahmen liefern aktuelle Erkenntnisse des Policy Designs und PackagingQ wichtige Anhaltspunkte.314, 319, 320 Dabei wird wertschöpfungsintegriert mit verschiedenen konsum- und produktionsseitigen Massnahmen angestrebt, dass sich Angebot und Nachfrage möglichst parallel verändern. Für die politische Akzeptanz ist eine strategische Planung der zeitlichen Abfolge der Massnahmen wichtig.320 Schliesslich sollte die Transparenz über die Verteilung der Wertschöpfung zwischen den verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette verbessert, Fehlanreize im heutigen Instrumentarium reduziert und Massnahmen zur Internalisierung externer Kosten ergriffen werden.321, 322

Anpassung

Innovative und sparsame Bewässerungsstrategien und die Auswahl trockenheits- und hitzeresistenter Kultursorten sind wesentliche Elemente der Anpassung in der Landwirtschaft.323 Extensive Landwirtschaft oder Biolandbau sind nicht per se Versicherungen gegen die negativen Folgen des Klimawandels, da auch diese Anbausysteme bei Trockenheit an ihre Grenzen kommen.324 Die Suche nach alternativen Anbaupflanzen kann eine klimaresiliente regionale Nahrungsmittelproduktion fördern325, 326 und einen wichtigen Beitrag zu einer gesunden Ernährung leisten.327

Brennpunkt Klima Schweiz

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