Minderung
Die Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, eine klima- und standortangepasste Nahrungsmittelproduktion mit einem Selbstversorgungsgrad von mindestens 50 % zu erreichen, den Pro-Kopf-Fussabdruck der Ernährung um zwei Drittel gegenüber 2020 zu senken und die Treibhausgasemissionen der landwirtschaftlichen Produktion im Inland um mindestens 40 % zu reduzieren.290 Mit den aktuell ergriffenen Massnahmen besteht jedoch noch eine deutliche Ziellücke.291, 292
Optionen für produktionsseitig-technische Massnahmen in der Tierproduktion beinhalten Anpassungen in der Fütterung293, 294, 295 und im Herdenmanagement296 oder den Bau von Biogasanlagen.297 Im Pflanzenbau können die Erhöhung der Effizienz der Stickstoffdüngung,298, 299 ein vermehrter Anbau von Leguminosen300, 301 und Kohlenstoff-Sequestrierung (z. B. durch Humusaufbau302, 303 Ausbringung von Pflanzenkohle304 oder Agroforstsysteme305) zum Erreichen der oben genannten Ziele beitragen.
Die Umsetzung von produktionsseitig-technischen Massnahmen ist herausfordernd.291 Dafür sind zum einen hohe Kosten306 verantwortlich, aber auch logistisch-organisatorische Herausforderungen, die unter anderem auf kleinräumige landwirtschaftliche Strukturen zurückzuführen sind, sowie soziale und kulturelle Aspekte.307, 308
Konsumseitig-strukturelle Massnahmen fokussieren sich auf transformative Prozesse und Verhaltensänderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und weisen grosse Potenziale auf (minus 50 % der Emissionen). Zwei Hauptstossrichtungen sind die Reduktion von Lebensmittelverlusten309, 310 und die Umstellung hin zu einer ressourcenschonenden Ernährung.309, 310
Für einen effizienten Klimaschutz ist eine ganzheitliche Systemperspektive unerlässlich. Dazu gehört die effiziente Nutzung der beschränkten Fläche und der produzierten Biomasse.311 Ca. 80 % der landwirtschaftlichen Emissionen in der Schweiz können der Tierhaltung291 respektive dem Verzehr von tierischen Lebensmitteln zugeschrieben werden.312 Auf 60 % der Schweizer Ackerfläche wird Tierfutter produziert.313 Eine Reduktion der landwirtschaftlichen Emissionen lässt sich daher durch die Förderung des Anbaus pflanzenbasierter Lebensmittel und die Stärkung einer pflanzenbasierten Ernährung erreichen.314, 315 Gleichzeitig kann auch die Anpassung der Tierbestände an das lokal vorhandene Futterangebot zur Emissionsreduktion beitragen.316, 317 Diese Anpassungen führen zu einer Erhöhung des Selbstversorgungsgrades und der Versorgungssicherheit.318
Bei der Ausgestaltung der Massnahmen liefern aktuelle Erkenntnisse des Policy Designs und PackagingQ wichtige Anhaltspunkte.314, 319, 320 Dabei wird wertschöpfungsintegriert mit verschiedenen konsum- und produktionsseitigen Massnahmen angestrebt, dass sich Angebot und Nachfrage möglichst parallel verändern. Für die politische Akzeptanz ist eine strategische Planung der zeitlichen Abfolge der Massnahmen wichtig.320 Schliesslich sollte die Transparenz über die Verteilung der Wertschöpfung zwischen den verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette verbessert, Fehlanreize im heutigen Instrumentarium reduziert und Massnahmen zur Internalisierung externer Kosten ergriffen werden.321, 322
Anpassung
Innovative und sparsame Bewässerungsstrategien und die Auswahl trockenheits- und hitzeresistenter Kultursorten sind wesentliche Elemente der Anpassung in der Landwirtschaft.323 Extensive Landwirtschaft oder Biolandbau sind nicht per se Versicherungen gegen die negativen Folgen des Klimawandels, da auch diese Anbausysteme bei Trockenheit an ihre Grenzen kommen.324 Die Suche nach alternativen Anbaupflanzen kann eine klimaresiliente regionale Nahrungsmittelproduktion fördern325, 326 und einen wichtigen Beitrag zu einer gesunden Ernährung leisten.327