Schweiz

Diese Themenansicht bündelt alle Unterkapitel zu Schweiz-spezifischen Klimaaspekten und reiht sie übersichtlich nacheinander auf – für einen schnellen, themenspezifischen Überblick.

Die ErdoberflächentemperaturA im Alpenraum und in der Schweiz lag 2024 bereits 2,9 °CE über dem Mittel von 1871–1900. Seit einigen Jahrzehnten hat sich der Alpenraum etwa 2,2-mal so stark erwärmt wie der globale Durchschnitt.2, 11

Die Ursachen der stärkeren Erwärmung als im globalen Mittel sind vor allem die Lage der Schweiz auf der Landoberfläche (diese erwärmt sich stärker als die Ozeane) und der Rückgang der Schnee- und Eisbedeckung.10 Weitere mögliche Ursachen sind zufällige oder systematische Veränderungen der atmosphärischen Windströmungsmuster sowie die Abnahme der Konzentration von Luftpartikeln (Aerosolen).10

Die Treibhausgasemissionen in der Schweiz (ohne internationalen Flugverkehr) bestanden im Jahr 2023 zu 78,5 % aus CO2, vorwiegend aus der Verbrennung fossiler Brenn-und Treibstoffe. Der Rest setzte sich hauptsächlich aus Methan und Lachgas aus der Landwirtschaft und der Abfallbewirtschaftung (Deponien und Abwasserreinigung) zusammen. Die Sektoren mit dem grössten Anteil an den inländischen Treibhausgasemissionen in der Schweiz waren im Jahr 2023 der Verkehr mit 33,6 %, gefolgt von der Industrie und dem Gebäudesektor (Haushalte und Dienstleistungen) mit jeweils 22,2 %.12 Der internationale Flugverkehr wird im Schweizer Treibhausgasinventar separat ausgewiesen und trug im Vor-COVID-Jahr 2019 11 % zu den Gesamtemissionen bei. Dabei ist die Klimawirkung des Flugverkehrs durch die Emission kurzlebiger Substanzen und deren Auswirkungen (z. B. Kondensstreifen) gegenwärtig etwa um einen Faktor 2,0–2,7 höher als auf Basis der reinen CO2-Emissionen berechnet. Somit ist der Flugverkehr für rund ein Viertel der Schweizer Klimawirkung (ohne importbasierte Emissionen, siehe Infobox 1) verantwortlich.13

Infobox 1: Berechnung des Treibhausgasinventars: produktions- vs. konsumbasierte Emissionen

Die Regeln, nach denen die Vertragsstaaten des Übereinkommens von Paris ein Treibhausgasinventar erstellen müssen, sind im sogenannten Enhanced Transparency Framework (ETF)14 festgelegt, das 2018 auf der COP24 in Katowice beschlossen wurde. Es baut auf den Leitlinien des Weltklimarats IPCC auf und folgt international standardisierten Vorgaben. Das Inventar muss in CO2-Äquivalenten ausgewiesen werden und Treibhausgasemissionsquellen und -senken in allen relevanten Sektoren umfassen. Dazu zählen Energie, Industrieprozesse und produktbezogene Emissionen, Landwirtschaft, Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft (LULUCF) sowie Abfall. Berücksichtigt werden jedoch nur die produktionsbasierten Emissionen eines Landes. Das heisst, es werden nur die Treibhausgasemissionen erfasst, die innerhalb der Landesgrenzen entstehen – unabhängig davon, ob die Güter später exportiert oder im Inland verbraucht werden. Dieses Vorgehen wird als Territorialprinzip bezeichnet.

Eine andere Art, die Emissionen eines Landes zu quantifizieren, ist der Treibhausgasfussabdruck. Er beinhaltet die konsumbasierten Emissionen, die durch den Endverbrauch von Gütern und Dienstleistungen in einem Land entstehen. Dabei werden auch die importbedingten Emissionen berücksichtigt, die beispielsweise entlang der Lieferkette im Ausland anfallen. Davon werden die exportbedingten Emissionen abgezogen, die durch die inländische Produktion von Gütern und Dienstleistungen entstehen, die zum Export bestimmt sind. Die Berechnung eines konsumbasierten Treibhausgasinventars ist unter dem Übereinkommen von Paris nicht verpflichtend. Für die Schweiz ist dies von Bedeutung, da die konsumbasierten Emissionen aufgrund der Importintensität des Landes rund 2,6–3,1-mal so hoch sind wie die produktionsbasierten Emissionen allein.15

Eine weitere Grösse, die im Zusammenhang mit Emissionen und Treibhausgasinventaren immer wieder genannt wird, sind die sogenannten grauen Emissionen. Sie bezeichnen alle vorgelagerten Emissionen eines Produkts oder einer Dienstleistung im In- und Ausland, wie beispielsweise ihr Transport. Zur Abgrenzung: Die vielfach verwendeten «Scopes» (1, 2, 3) stammen nicht aus den UNFCCC-Regeln, sondern aus dem Greenhouse Gas Protocol und beschreiben die Emissionssystematik aus der Unternehmensperspektive (siehe auch Glossar).

Treibhausgasinventar der Schweiz 1990 und 2023

Abbildung 3: Aufteilung der produktionsbasierten Treibhausgasemissionen der Schweiz auf die Sektoren (in %). Der internationale Flug- und Schiffsverkehr ist darin nicht enthalten.12

A) Schweiz allgemein

Tägliche Starkniederschläge sind in der Schweiz heute 26 % häufiger und um 12 % intensiver als zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Insbesondere kurze sommerliche Starkniederschläge sind intensiver geworden.25 Die Häufigkeit von Hagel in der Schweiz hat seit 1959 zwischen 50 % und 100 % zugenommen.9

Seit 1961 ist die Nullgradgrenze um 300–400 m angestiegen.10 Die Tage mit einer Schneedecke in tiefen und mittleren Lagen (unterhalb 2000 m ü. M.) sind markant zurückgegangen, um rund 4–5 Tage pro Jahrzehnt.26

Auch Hitzeperioden sind in der Schweiz häufiger und intensiver geworden, während Kältewellen tendenziell abgenommen haben, bei insgesamt bis zu 60 % weniger Frosttagen.10 Diese Erkenntnisse zu den bisher beobachteten Folgen des Klimawandels sind in Abbildung 4 zusammengefasst.

Beobachtete Klimawandelfolgen in der Schweiz

Abbildung 4: Wichtige Veränderungen des Schweizer Klimas und der Schweizer Umwelt basierend auf Beobachtungsdaten.74, E

Die produktionsbasierten Treibhausgasemissionen der Schweiz sind zwischen 1990 und 2023 um rund 26,1 % gesunken, die produktionsbasierten Pro-Kopf-Emissionen um 44 %.100 Der Hauptgrund für diese Reduktion der Emissionen zwischen 1990 und 2023 war ein Rückgang der Energieintensität (Energieverbrauch pro BIP) um etwa die Hälfte, gefolgt von einem Rückgang der Kohlenstoffintensität (CO2-Emissionen pro Energieverbrauch) um rund 20 %.88, 101, 102 Seit 1990 folgt die Entwicklung der produktionsbasierten CO2-Emissionen in der Schweiz im Wesentlichen derselben Tendenz wie jene in Europa (siehe Abbildung 5). In Bezug auf die Reduktion ihres CO2-Fussabdrucks (ohne andere Treibhausgase) schneidet die Schweiz jedoch schlechter ab als eine Reihe ihrer Nachbarländer oder Länder mit einem ähnlichen Entwicklungsstand (Deutschland, Österreich, Belgien, Bulgarien, Kroatien, Dänemark, Spanien, USA, Finnland, Frankreich, Ungarn, Irland, Italien, Niederlande, Portugal, Rumänien, Schweden).103 Die Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Emissionen, die in mehreren Ländern in der EU beobachtet werden kann, trifft also auf die Schweiz nicht im gleichen Ausmass zu.87, 103

CO2-Emissionsverlauf pro Kopf global, in Europa und in der Schweiz

Abbildung 5a: Vergleich des zeitlichen Verlaufs der ­normalisierten, produktionsbasierten Pro-Kopf-CO2-Emissionen global, in Europa und in der Schweiz. Während ein leichter Rückgang in Europa und der Schweiz zu beobachten ist, stagnieren die weltweiten Emissionen.104 Trotz des Rückgangs der produktionsbasierten Emissionen befinden sich die konsumbasierten (totalen) Pro-Kopf-CO2-Emissionen der Schweiz weiterhin 2,5- bis 3-mal über dem weltweiten Durchschnitt.105, 412

Totaler CO2-Emissionsverlauf global, in Europa und in der Schweiz (normalisiert)

Abbildung 5b: Vergleich des zeitlichen Verlaufs der ­normalisierten, produktionsbasierten totalen CO2-Emissionen global, in Europa und in der Schweiz. Während ein leichter Rückgang in Europa und der Schweiz zu beobachten ist, steigen die weltweiten Emissionen.104

Die importbasierten Treibhausgasemissionen der Schweiz sind heute mehr als doppelt so hoch wie die produktionsbasierten, da die Schweiz eine Nettoimporteurin von Gütern ist (siehe Abbildung 6). Die importbasierten Emissionen sind seit dem Jahr 2000 etwa konstant geblieben.

Produktionsbasierter und importbasierter Treibhausgasfussabdruck der Schweiz pro Kopf

Abbildung 6a: Pro-Kopf Treibhausgasfussabdruck der Schweiz.15 Während ein leichter Rückgang der inländischen (produktionsbasierten) ­ Emissionen zu beobachten ist, bleiben die importbasierten Emissionen auf einem hohen Niveau konstant.

Totaler produktionsbasierter und importbasierter Treibhausgasfussabdruck der Schweiz

Abbildung 6b: Absoluter Treibhausgasfussabdruck der Schweiz.15 Während ein leichter Rückgang der inländischen (produktionsbasierten) ­ Emissionen zu beobachten ist, bleiben die importbasierten Emissionen auf einem hohen Niveau konstant.

Die konsumbasierten Treibhausgasemissionen sind gemäss den Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) seit dem Jahr 2000 total um etwa 10 % und pro Kopf um 30 % zurückgegangen.15 Die konsumbasierten (totalen) Emissionen umfassen hierbei die Summe der importbasierten und der produktionsbasierten Emissionen, abzüglich der exportbasierten Emissionen. Aufgrund der konstant gebliebenen importbasierten Emissionen ist somit der Rückgang vor allem den produktionsbasierten Emissionen zuzuschreiben. Die Einschätzung der Änderung der konsumbasierten Emissionen der Schweiz hängt jedoch von der gewählten Daten- und Berechnungsgrundlage ab. Ein Blick auf andere Quellen deutet im Gegensatz zu den BFS-Resultaten teilweise auf ein schwaches Wachstum der totalen konsumbasierten Emissionen (+1,3 % pro Jahr)105 hin, oder aber auf einen nur leichten Rückgang (–0,35 % pro Jahr).15

Sektoraler Emmissionsverlauf der Schweiz

Abbildung 7: Entwicklung der produktionsbasierten Treibhausgasemissionen nach Sektoren (importbasierte Emissionen und Emissionen des Flug- und Schiffsverkehrs sind nicht enthalten).12

Zu den Sektoren, in denen die Treibhausgasemissionen vor allem aufgrund von Effizienzsteigerungen deutlich zurückgegangen sind, gehören der Industrie- und Gebäudesektor. Im Industriesektor führten ausserdem die Schliessungen emissionsintensiver Unternehmen seit 1990 zu einem Emissionsrückgang (z. B. in der Aluminium-, Ammoniak- und Zementproduktion). Die Emissionen der Landwirtschaft, die hauptsächlich aus Methan und Lachgas bestehen, sind ebenfalls gesunken, jedoch weniger stark. Die Emissionen im Verkehrssektor sind aufgrund des gestiegenen Verkehrsaufkommens und der schwereren Fahrzeuge bis etwa 2008 noch angestiegen und lagen 2023 erst leicht unter dem Wert von 1990.12 Ein weiterer möglicher Grund für den stärkeren Rückgang der Emissionen im Industrie- und Gebäudesektor im Vergleich zum Verkehrssektor liegt in der unterschiedlichen Besteuerung: Die seit 2008 geltende CO2-Abgabe der Schweiz gilt für fossile Brennstoffe wie Heizöl und Erdgas, nicht jedoch für Treibstoffe wie Benzin und Diesel. Dadurch sind die Anreize zur Emissionsreduktion im Verkehrssektor schwächer als im Industrie- und Gebäudesektor.106 Die Emissionen des internationalen Flugverkehrs haben im Verlaufe der letzten 30 Jahre insgesamt zugenommen (mit vorübergehenden Rückgängen z. B. während COVID) und lagen 2019 über 85 % höher als 1990.100 Eine Trendwende ist aktuell nicht in Sicht.

Infobox 2: Klimapolitik in der Schweiz

Der Weg zum Netto-Null-Treibhausgas-Ziel 2050 der Schweiz wird in der langfristigen Klimastrategie93 aufgezeigt und ist gesetzlich im Klima- und Innovationsgesetz (KlG)94 verankert.95 Das KlG bildet den gesetzlichen Rahmen der mittel- bis längerfristigen Klimapolitik. Es legt etappenweise Treibhausgasreduktionsziele bis 2050 sowie Richtwerte für die Sektoren Gebäude, Verkehr (ohne internationale Luft- und Schifffahrt) und Industrie fest. Bund und Kantone sollen dabei eine Vorbildrolle einnehmen und bereits im Jahr 2040 mindestens Netto-Null-Treibhausgasemissionen aufweisen (inkl. Scope 3). Für Unternehmen gilt das Netto-Null-Ziel 2050 (Scope 1 und Scope 2). Zur Erreichung der Emissionsreduktionen setzt das KlG auf Anreize und Beratungsangebote und verzichtet auf Verbote. Unterstützt wird insbesondere der Umstieg auf klimafreundliche Heizungen im Rahmen des Impulsprogramms für klimafreundliche Gebäude sowie die Förderung neuartiger Technologien und Prozesse in Unternehmen. Die Klimaschutz-Verordnung (KlV)96 konkretisiert die Rahmenbedingungen dieser Programme sowie die im Gesetz vorgesehenen Instrumente (u. a. Kriterien für Finanzhilfen, die Schaffung eines Netzwerks im Bereich «Anpassung an den Klimawandel», freiwillige Klimatests für Finanzinstitute). Die konkreten Massnahmen zur Umsetzung der Ziele des KlG werden im CO2-Gesetz und in weiteren Gesetzen geregelt.

Das CO2-Gesetz97 umfasst den gesetzlichen Rahmen für die kurzfristige Klimapolitik der Schweiz. Im Gesetz ist festgeschrieben, dass die Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber 1990 mindestens halbiert und im Durchschnitt zwischen 2021–2030 um 35 % reduziert werden sollen. Zwei Drittel dieser Reduktionen sollen im Inland stattfinden. Für das restliche Drittel setzt die Schweiz auf Emissionsreduktionen im Ausland (siehe Infobox 5 und Kapitel 3.2.2 A). Ausserdem regelt das CO2-Gesetz konkrete Massnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen in der Schweiz, unter anderem die CO2-Abgabe, das Gebäudeprogramm und das Emissionshandelssystem. Eine Revision des CO2-Gesetzes ab 2030 ist in Vorbereitung. Die Vorlage soll ein zusätzliches Emissionshandelssystem für die Sektoren Gebäude und Verkehr vorsehen. Zusätzlich will der Bund den Ausbau der CO2-Entnahme und -Speicherung mit einem neuen Rahmengesetz beschleunigen.

In Übereinstimmung mit dem Übereinkommen von Paris98 muss die Schweiz zudem auf internationaler Ebene alle fünf Jahre neue Emissionsreduktionsziele (engl. «Nationally Determined Contributions», NDCs) vorlegen, die ambitionierter sind, als die vorherigen. So wurde die langfristige Klimastrategie im Januar 2025 durch die neuesten Schweizer NDCs 2031–2035 ergänzt.99 Die Ziele sehen eine Emissionsreduktion gegenüber 1990 um mindestens 65 % vor und im Durchschnitt der Jahre 2031–2035 sollen die Emissionen um 59 % gesenkt werden. Grundlage für die Berechnung der Emissionsreduktionsziele nach dem Übereinkommen von Paris sind die produktionsbasierten Emissionen eines Unterzeichnerstaats. Im Fall der Schweiz bedeutet dies, dass rund zwei Drittel der durch die Schweizer Endnachfrage verursachten Emissionen in den nationalen Zielen nicht miteinberechnet sind. Als Ausgangspunkt für ihre Zielformulierung bezieht sich die Schweiz auf ihr aktuelles Treibhausgasinventar, legt jedoch kein Kohlenstoffbudget fest (siehe Infobox 1 und Kapitel 2.1.1).

Die Schweiz hat in verschiedenen Sektoren und in geringerem Umfang auch sektorübergreifend Anpassungmassnahmen unternommen, nicht zuletzt, um auf unterschiedliche Extremereignisse und deren Folgen zu reagieren (siehe Abbildung 8).

Anzahl der Anpassungsmassnahmen pro Klimarisiko

Abbildung 8: Anzahl der Anpassungsmassnahmen pro klimabedingtem Risiko. Die Grafik zeigt, wie viele in der Schweiz umgesetzte oder geplante Anpassungsmassnahmen mit jeder Risikokategorie verbunden sind (Risikokategorien nach Köllner et al.117 Daten basierend auf einer Datenbank des NCCS-Impacts Projekts «Kosten der Auswirkungen des Klimawandels in der Schweiz»)

Um den steigenden Temperaturen und der durch den städtischen Wärmeinseleffekt verursachten überdurchschnittlichen Erwärmung von Städten entgegenzuwirken, wurden in der Schweiz bereits verschiedene Massnahmen ergriffen. Zunächst standen Hitzeaktionspläne und Aufklärungskampagnen im Vordergrund. Diese sollen die Bevölkerung über die Gesundheitsrisiken von Hitzeperioden informieren und Hinweise zum richtigen Verhalten bei hohen Temperaturen geben.118, 119 In den letzten Jahren wurden die Anpassungsbemühungen zunehmend auf bauliche Massnahmen ausgeweitet, um den städtischen Wärmeinseleffekt langfristig zu verringern. Dazu gehören insbesondere die Schaffung von mehr grüner Infrastruktur (z. B. Bäume, Parks oder begrünte Dächer) sowie der Einsatz reflektierender Oberflächen, die weniger Wärme speichern und dadurch eine Senkung der Umgebungstemperatur bewirken.

Das Monitoring der hitzebedingten Todesfälle in der Schweiz deutet darauf hin, dass sich die Bevölkerung zwischen 1980 und 2023 bereits teilweise an höhere Temperaturen angepasst hat. Trotz steigender mittlerer Sommertemperatur und der alternden Bevölkerung nimmt die Anzahl hitzebedingter Todesfälle pro 100 000 Einwohnenden tendenziell ab (siehe Abbildung 9), wobei Hitze weiterhin die Naturgefahr mit den meisten Todesopfern in der Schweiz bleibt.120 Die Anpassung an steigende Temperaturen betrifft jedoch vor allem Tage mit moderat hohen Temperaturen, an denen die Sterblichkeit zuletzt nicht mehr mit zunehmender Temperatur gestiegen ist. An Tagen mit hohen oder sehr hohen Durchschnittstemperaturen ist hingegen weiterhin ein Anstieg der Sterblichkeit zu beobachten.120

Um den zunehmenden Überschwemmungsrisiken und gravitativen Gefahren wie Murgängen und Steinschlag zu begegnen, wurden Frühwarnsysteme entwickelt, die sowohl die Bevölkerung als auch die Infrastrukturverantwortlichen alarmieren. Diese Systeme werden jetzt auf weitere Gefahren ausgeweitet, darunter extreme Wetterereignisse, Dürren und Wasserknappheit (mehr Infos dazu auf drought.ch).122 Neben technischen Schutzmassnahmen setzt die Schweiz seit Langem auf naturbasierte Lösungen, beispielsweise auf Schutzwälder an steilen Hängen, um Steinschlagrisiken zu verringern.123

Als Reaktion auf Änderungen der Wasserverfügbarkeit wurden die Nutzung von Bewässerungssystemen ausgebaut und klimaresistente Pflanzensorten eingeführt.124 Diese Massnahmen sollen die Lebensmittel- und Energiesicherheit aufrechterhalten und gleichzeitig die ökologischen Auswirkungen der intensiveren Wassernutzung minimieren.

Neben diesen sektorspezifischen Anpassungen gibt es auch erste Ansätze für sektorübergreifende Anpassungen.125, 126 Projekte zur Renaturierung von Flüssen127 bieten beispielsweise sektorübergreifende Vorteile für den Hochwasserschutz, die Biodiversität und die Erholung und zeigen das Potenzial multifunktionaler, systemischer Ansätze auf.

Verlauf der hitzebedingten Todesfälle in der Schweiz

Abbildung 9: Veränderung der hitzebedingten Todesfälle pro 100 000 Einwohnende im Zeitraum 1980–2023. Der Rückgang in den letzten Jahren kann zumindest teilweise auf die neu eingeführten Anpassungsmassnahmen zurückgeführt werden.121

Während sich das verbleibende globale Kohlenstoffbudget basierend auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen berechnen lässt, ist die Aufteilung auf einzelne Regionen oder Länder mit gesellschaftlich bzw. politisch zu definierenden Annahmen verbunden. So könnte man den Anteil der Schweiz allein prozentual an der Bevölkerungszahl berechnen, man könnte aber auch die historischen oder die konsumbasierten (d. h. durch den Endverbrauch von Gütern und Dienstleistungen in einem Land entstehenden) Emissionen oder die Finanzkraft als Basis nehmen oder mit einbeziehen.129, 130

In der Schweiz wurden solche normativen Annahmen – wie in praktisch allen anderen Ländern – bisher nicht festgelegt. Das Übereinkommen von Paris schreibt dies nicht vor und bietet keine anerkannte Methode zur fairen Verteilung des CO2-Budgets zwischen den Vertragsstaaten. Je nach Annahme ergibt sich, dass die Schweiz ihr verbleibendes Kohlenstoffbudget für die 1,5 °C-Limite bereits aufgebraucht hat, oder dass die Emissionsminderungsziele aus der bestehenden Klimagesetzgebung das verbleibende Kohlenstoffbudget der Schweiz überbeanspruchen oder knapp einhalten.

Die bisher beobachteten Klimaveränderungen in der Schweiz werden sich in Zukunft fortsetzen. In ihrer Intensität und Frequenz werden sie sich ausserdem weiter verschärfen.9

Die Schweiz hat sich bislang deutlich stärker erwärmt als der globale Durchschnitt. Künftig wird sich diese überdurchschnittliche Erwärmung voraussichtlich etwas abschwächen: Zwar wird sich die Schweiz weiterhin stärker erwärmen als der globale Mittelwert, jedoch nicht mehr in dem bislang etwa doppelt so hohen Ausmass. Bei einer globalen Erwärmung von 1,5 °C im Vergleich zur vorindustriellen Referenzperiode steigen die Jahresmitteltemperaturen in der Schweiz um 2,9 °C. Für eine globale Erwärmung von 2 °C im Vergleich zur vorindustriellen Referenzperiode wird eine Erwärmung im Jahresmittel von 3,6 °C in der Schweiz projiziert, bzw. für global 3 °C eine Erwärmung von 4,9 °C.9 (Ch. 3)
Die regionalen Erwärmungsunterschiede in der Schweiz werden sich je nach Szenario weiter verstärken. Bei einer globalen Erwärmung von 3 °C im Vergleich zur vorindustriellen Referenzperiode erwärmen sich das Mittelland und der Jura im Sommer (Juni bis August) um etwa 5,1 °C und hochalpine Räume um 6 °C.M Diese Erwärmungsdifferenzen je nach Region sind vor allem im Sommer sehr markant, im Jahresdurchschnitt verglichen zur globalen Erwärmung eher klein.9 (Ch. 3)

A) Schweiz allgemein

Der fortschreitende globale Temperaturanstieg birgt folgende Hauptrisiken für die Schweiz:9, 74

  • Grössere Hitze: Extreme Tageshöchsttemperaturen, die früher einmal in 50 Jahren auftraten, treten bei einer globalen Erwärmung von 1,5 °C etwa 2,6-mal und bei 3 °C etwa 16,7-mal häufiger auf.9 Hitzeereignisse betreffen insbesondere Regionen in tiefen Lagen, besonders in Städten und der Agglomeration, wo aktuell drei Viertel der Schweizer Bevölkerung leben. Aber auch Regionen in den Alpen und Voralpen, in denen bisher keine Tropennächte oder Hitzetage beobachtet wurden, werden in Zukunft von Hitze betroffen sein. Dies beeinflusst massgeblich die menschliche Gesundheit und dadurch auch den Wirtschaftssektor aufgrund einer reduzierten Leistungsfähigkeit.74
  • Trockenere Sommer: Im Gegensatz zu früheren Analysen zeigen Messungen in der ganzen Schweiz eine klare Abnahme der Bodenfeuchtigkeit.9 Die Verdunstung und damit auch die Austrocknung werden weiter zunehmen. Zusätzlich zeigen die meisten Klimaprojektionen eine langfristige Abnahme des Sommerniederschlags. In Kombination werden dadurch Dürren intensiver und häufiger. Trockenes und windiges Wetter begünstigt zudem die Ausbreitung von Waldbränden.74 (Ch. 2.2.2)
  • Häufigere und heftigere Starkniederschläge: Starke Niederschlagsereignisse werden in allen Jahreszeiten weiter zunehmen. Wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, was zu höheren Niederschlagsmengen während Extremereignissen führt.9 Sowohl Beobachtungen wie auch Modelle und das Prozessverständnis weisen auf eine Zunahme der Luftfeuchtigkeit von etwa 6 bis 7 % pro Grad regionaler Erwärmung hin.74 (Ch. 2.3) Eine Intensivierung der Starkniederschläge ist vor allem bei kürzeren Niederschlagsereignissen (Dauer von wenigen Stunden) wie beispielsweise bei Gewittern zu erwarten.9, 74 (Ch. 2.3.2)
  • Weniger Schnee und Anstieg der Nullgradgrenze: Die Nullgradgrenze wird weiter ansteigen. Niederschlag wird daher vermehrt in Form von Regen statt Schnee fallen. Die Schneedecke wird aufgrund der milderen Temperaturen insbesondere im Frühling verringert. Damit wird sich die Dauer der Schneesaison vor allem in niedrigen und mittleren Höhenlagen erheblich verkürzen. Hochalpine Lagen sind davon deutlich weniger betroffen.9
  • Steigendes Naturgefahrenpotenzial: Das Naturgefahrenpotenzial steigt weiter an, beispielsweise durch das Auftauen des Permafrosts und das Abschmelzen der Gletscher in hochalpinen Gebieten, wodurch Geröll, Fels und Eis instabil werden. Davon betroffen ist vor allem die Wirtschaft durch die entstehenden Sachschäden und Einbussen im Tourismus.74 (Ch. 2.3)
  • Die Veränderung von Lebensräumen und der Artenzusammensetzung: Diese Veränderungen wirken sich insbesondere auf die Landwirtschaft (Ernteeinbussen, Schädlinge bzw. Krankheiten), die biologische Vielfalt, die Ernährung und die menschliche Gesundheit aus.74 (Ch. 2.5)
  • Instabile globale Lieferketten: Die starke Abhängigkeit von Importen aus dem Ausland macht die Schweiz sehr verwundbar gegenüber internationalen Krisen. Werden etwa internationale Lieferketten unterbrochen, ist in der Schweiz die Bedarfsdeckung – zum Beispiel während einer Dürre mit multiregionalen Ernteausfällen oder bei einer Gesundheitskrise – gefährdet.74 (Ch.3.1), 138

Die zukünftigen weltweiten Treibhausgasemissionen bestimmen die Geschwindigkeit und das Ausmass der Erwärmung, ihre Folgen und das Erreichen der Klimaziele. Jede weitere Erwärmung wird spürbare klimatische Folgen für die Schweiz bedeuten. Mit einer signifikanten Reduktion der globalen Emissionen liesse sich ein wesentlicher Teil des Klimawandels vermeiden, insbesondere auch die Erwärmung in den Alpen.9

Klimawandelfolgen pro Erwärmung für Europa

Abbildung 11: Anstieg der Risiken für Zentraleuropa bei zunehmender Erwärmung in den für Zentraleuropa relevanten Sektoren (die Risiken in der Schweiz sind ähnlich).108 (Fig. 13.28), 139

A) Schweiz allgemein

Minderung

Die Emissionsreduktionsziele im CO2-Gesetz und das Netto-Null-Ziel 2050 bzw. die Zwischenziele zur Emissionsreduktion im Schweizer Klima- und Innovationsgesetz (KlG) sehen bis 2030 eine Reduktion um mindestens 50 %, im Durchschnitt der Jahre 2031–2040 um mindestens 64 %, bis 2040 um mindestens 75 % und im Durchschnitt 2041–2050 um mindestens 89 % gegenüber 1990 vor.97, 256

Die gesetzlich verankerten Ziele der Schweiz bewegen sich in einem Rahmen, der vereinbar ist mit den Zielen des Übereinkommens von Paris. Die bis jetzt beschlossenen Massnahmen sind jedoch wahrscheinlich unzureichend, um diese Ziele zu erreichen.408 Darüber hinaus fehlt es sowohl an Zielen als auch an Massnahmen, um die importbasierten Emissionen sowie Emissionen, die im Zusammenhang mit den Schweizer Finanzflüssen stehen, zu senken. Ein Teil der geplanten Zielerreichung beruht ausserdem auf dem Zukauf ausländischer Emissionsgutschriften. Dieser Ansatz ist zwar kurzfristig der kostengünstigere Weg, um die Klimaziele zu erreichen, als nur Massnahmen im Inland umzusetzen.258 Mittel- bis längerfristig und im Hinblick auf das Netto-Null-Ziel hat der Kauf von internationalen Reduktionsbescheinigungen jedoch einen begrenzten Nutzen. Denn die Emissionen, die im Inland im Vergleich zu den Reduktionszielen zu viel ausgestossen werden und durch den Kauf von Ausland-Bescheinigungen „ausgeglichen“ werden, bleiben bestehen. Um das Netto-Null-Ziel zu erreichen, müssten diese verbleibenden Emissionen im Inland dann sehr rasch reduziert werden.86 Zudem wird der Effekt der Emissionszertifikate auf tatsächliche Emissionsreduktionen in Frage gestellt.259 Inwieweit der Zielpfad der Schweiz dem Prinzip der «gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung» entspricht»,257 das die unterschiedlichen Voraussetzungen (z. B. Finanzkraft oder historische Verantwortung) der einzelnen Staaten berücksichtigt, hängt von zugrunde gelegten Gerechtigkeits- und Verteilungskriterien ab und ist Gegenstand wissenschaftlicher und gesellschaftspolitischer Diskussionen.

Rund ein Viertel der jährlichen Emissionen der Schweiz, ca. 12–14 Millionen Tonnen CO2, lassen sich nicht vollständig vermeiden.93 Sie fallen in der Zementherstellung, Abfallverwertung, Landwirtschaft und Luftfahrt an. Um sie zu reduzieren oder auszugleichen, ist die CO2-Entnahme und -Speicherung notwendig. Bis 2050 sollen rund 7 Millionen Tonnen CO2 jährlich an Punktquellen abgeschieden werden. Der Aufbau einer solchen Infrastruktur zur CO2-Abscheidung, sowie dessen Transport und Speicherung wird voraussichtlich Kosten von ca. 16 Milliarden Franken verursachen.260 Die restlichen, schwer vermeidbaren 5–7 Millionen Tonnen CO2 sollen durch Negativemissionstechnologien im Ausland ausgeglichen werden.261

Das Klima- und Innovationsgesetz sieht vor, dass alle Unternehmen bis 2050 Netto-Null-Treibhausgasemissionen aufweisen müssen.262 Dazu können sie Fahrpläne für ihre Emissionsreduktionen erarbeiten. Diese Pläne sollen frühzeitig Hindernisse für einen Netto-Null-Pfad identifizieren und bilden die Grundlage für koordinierte Massnahmen zur Überwindung dieser Hindernisse. Pflicht sind sie jedoch nur für Firmen, die eine Förderung beantragen.

Wie auf globaler Ebene zeigt sich auch für die Schweiz, dass die Kombination aus effizienz- und suffizienzbasierten Minderungsmassnahmen einen zentralen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten kann. Die beiden suffizienzbasierten Massnahmen mit dem grössten Potenzial sind eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten und eine Reduzierung des Flugverkehrs.255

Anpassung

Die Koordination des staatlichen Handelns von der lokalen bis zur globalen Ebene unter Einbezug der Zivilgesellschaft und des Privatsektors ist wichtig. Ein Beispiel für eine solche mehrstufige und sektorübergreifende Gouvernanz ist das neu eingesetzte «Netzwerk Anpassung an den Klimawandel».263 Die 2012 veröffentlichte Strategie des Bundesrats zur Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz integriert Anpassungsziele in sektorale Politiken.264, 265

Der dazugehörige Aktionsplan 2020–2025 enthält 75 Massnahmen – 63 sektorspezifische in Sektoren wie Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Gesundheit und 12 sektorübergreifende zur Verbesserung von Wissen, Koordination und Strategieumsetzung.264 Das föderale System der Schweiz erlaubt einen dezentralen Ansatz, der es den lokalen Behörden ermöglicht, Anpassungsmassnahmen an ihre spezifischen Gegebenheiten anzupassen und gleichzeitig mit den nationalen Zielen in Einklang zu bringen.266, 267 In diesem Zusammenhang wurde Anfang 2025 ausserdem «Adapt+» ins Leben gerufen, ein Förderprogramm des Bundes, das Anpassungsmassnahmen an den Klimawandel mit bis zu 50 % der Projektkosten unterstützt.268

Der neueste Bericht des Weltklimarates IPCC gibt Hinweise auf Anpassungseinschränkungen und Grenzen des derzeitigen Anpassungsniveaus in der Schweiz.269 Obwohl beispielsweise Bewässerung eine praktikable Anpassungsstrategie für die Landwirtschaft darstellt, wird ihre Wirksamkeit durch die vielfältigen Wassernutzungen und -ansprüche zunehmend eingeschränkt.108, 270

Je weniger wirksam die Anstrengungen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen sind, desto mehr muss in Anpassung investiert werden und desto eher werden Grenzen der Anpassung durch die Kumulation von Einschränkungen verschiedener Art erreicht,111 auch in der Schweiz. Dies bedeutet, dass bestehende Anpassungsmassnahmen und -strategien möglicherweise nicht ausreichen, um zukünftige Auswirkungen und Risiken auf ein tragbares Niveau zu reduzieren. In der Schweiz wird es voraussichtlich vermehrt Situationen geben, in denen bei Anpassungsmassnahmen Kosten-Nutzen-Abwägungen getroffen werden müssen, z. B. wenn der Schutz vor Naturgefahren wie Hochwasser oder Murgängen wegen zunehmender Intensität und/oder Häufigkeit an bestimmten Orten zu teuer wird.271

Brennpunkt Klima Schweiz

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